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Mit dem Motorrad über Felsen: Trial-Fahrer Jochen Fleschutz aus Reicholzried im Portrait

Jochen Fleschutz steht auf den Fußrasten seines Motorrads. Sitzen ginge auch kaum, es hat keinen Sattel. Aus gutem Grund: Der Reicholzrieder will nicht durch die schöne Allgäuer Landschaft touren, er möchte über einen ausrangierten Bagger-Reifen fahren.

Gut und gerne einen Meter hoch. Sein Blick ist fokussiert auf das Hindernis. Mit seinen Händen fest am Lenker gibt er Gas, reißt das Vorderrad nach oben und springt förmlich über den Reifen. Ein bisschen verrückt muss man beim Trial-Fahren schon sein, sagt Fleschutz und grinst. Seit er zwölf Jahre alt ist, fährt der heute 19-Jährige Trial, vom englischen try, also versuchen, ausprobieren, mit dem Motorrad. Trial, das bedeutet meterhohe Steinbrocken, Baumstämme und Gefälle von über 70 Prozent.

Für diese extremen Bedingungen braucht Jochen Fleschutz natürlich spezielles Gerät. Sein 18-PS-starkes Trial-Bike wiegt nur knapp 65 Kilo (zum Vergleich: Ein Motocross-Motorrad wiegt knapp das Doppelte). Der Zweitaktmotor ist mehr auf Drehzahl als auf Geschwindigkeit ausgelegt und auch die Federung ist speziell angepasst. Die Reifen haben so wenig Luftdruck, dass man bei Straßenmotorrädern schon fast von einem Plattfuß sprechen würde. Das ist wichtig, denn es verbessert die Haftung und hilft dabei, das Gleichgewicht zu halten. Der Reifen passt sich dadurch dem Hindernis an.

Motorsport, bei dem Geschwindigkeit nicht die Hauptrolle spielt

Das Spannende beim Trial ist, dass es dabei nicht nur um Geschwindigkeit geht. Man muss seinen Kopf richtig anstrengen und muss sich vorher überlegen, wie man über ein Hindernis kommt, erklärt Fleschutz. Es kommt auf die Geschicklichkeit und auf die Balance an.

Rein zum Spaß fährt der 19-Jährige nicht. Er ist ein Wettkampftyp mit beachtlichen Erfolgen. Letztes Jahr war er Süddeutscher Vizemeister und schwäbischer Meister, davor war er drei Jahre hintereinander Bayerischer Meister (2010-2012). Bei der Europameisterschaft 2011 fuhr er auf den vierten Platz.

Aber auch ohne große Erfolge kann Trial-Fahren Spaß machen: Mit rund 160 weiteren Männern und Frauen ist Fleschutz Mitglied bei der Renngemeinschaft (RGA) Kempten. Etwa die Hälfte davon sind aktive Fahrer mit unterschiedlichen Ambitionen. Trial-Fahren sei Motorsport für die breite Masse, meint ein RGA-Mitglied auf dem Trainingsgelände. Man könne trialen, so wie es einem passt. Entweder gemütlich Balance und Geschicklichkeit üben, oder eben wie Jochen Fleschutz nach Wertung fahren. Hier trainieren Jungs und Mädels von sechs Jahren bis über 60 Jahre, sagt der 19-Jährige. Besonders preisgünstig ist der Sport natürlich nicht: Eine gebrauchte Trial-Maschine kostet zwischen 1.500 und 3.000 Euro, dazu kommen noch rund 500 Euro für die Schutzausrüstung.

Gefährlich sei Trial-Fahren entgegen der landläufigen Meinung kaum. Wenn wir neue Hindernisse trainieren, haben wir einen Fänger. Also jemanden, der hinter uns steht, wenn wir kippen, erklärt Fleschutz. Auch bei den Wettbewerben sei das Risiko nicht besonders hoch. Die Bilanz seit seinem Karrierestart 2007: Ein gebrochener Mittelhandknochen und eine Verletzung am Kinn. Die sind aber längst wieder verheilt, sagt der Reicholzrieder und kickt den Motor seiner Maschine wieder an. Im letzten Jahr habe ich wegen dem Abitur etwas Pause machen müssen. Das will ich wieder reinholen.

Autor:

Stephan Michalik aus Kempten

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