Kluftinger-Dreharbeiten
Maria Kammel aus Altusried spielt Kluftingers Mutter in Milchgeld

An diesem Abend im August spielt der FC Bayern gegen Zürich. Champions-League-Qualifikation. Maria Kammel verpasst so eine Begegnung in der Königsklasse ungern. Sie ist bekennender Fußball-Fan, 'fußballverrückt', wie sie sagt. Mittags erhält die Altusriederin einen Anruf. Johanna Mayer ist dran. 'Das ist der Wahnsinn. Du bist dabei', jubelt sie ins Telefon. Maria müsse nur abends zum Casting kommen. Regisseur Rainer Kaufmann sei da. Er dreht 'Milchgeld', den neuen, zweiten Spielfilm mit dem urigen Kommissar Kluftinger (Herbert Knaup) in Altusried.

Mayer, die auch im Theaterkästle Altusried inszeniert, wählt für die Produktion die einheimischen Kleindarsteller aus. Der Film soll im Herbst 2012 in der ARD laufen. Bei der Besetzung für Kluftingers Mutter Maria denkt sie sofort an Maria Kammel und schlägt die 59-Jährige vor. Und wird bestätigt. Kaufmann will Kammel. Aber Kammel will Fußball.

'Johanna hat mich vom Gegenteil überzeugt', erinnert sich Kammel an den Schritt, über den sie jetzt gottfroh ist. Eigentlich sprach für sie nicht nur ein Fußballspiel gegen das Casting. Kammel hat in diesem Jahr schon zwei anstrengende Produktionen im Altusrieder 'Theaterkästle' hinter sich.

Im Oktober wollte sie endlich mit ihrem Mann Heribert, Altusrieds Bürgermeister, Urlaub machen. Für drei Wochen abschalten auf ihrer Lieblingsinsel Lanzarote. Alles schon gebucht. Doch dann kitzelte es die zierliche Frau mit der quirligen Art doch, beim neuen Kluftiger mitzuspielen.

Regisseur Rainer Kaufmann ließ sich schnell von Maria Kammel überzeugen. 'Beim Vorsprechen nach ein paar Texten hab ich gefragt, ob ich wieder zurück zum Fußball kann. Darauf hat Kaufmann gelacht', sagt die Laienschauspielerin.

Vier Tage später hatte sie den Job. Sie ist eine von 14 Darstellern mit Allgäuer Wurzeln, die in der zweiten Kluftinger-Verfilmung nach dem ersten Roman von Volker Klüpfel und Michael Kobr zu sehen sein werden.

An Originalschauplätzen gedreht

Weitere 180 Allgäuer Komparsen sind während der Dreharbeiten, die noch bis Ende Oktober dauern, am Set. Die beiden Allgäuer Autoren haben sogar selbst kleine Rollen übernommen. Klüpfel mimt zum zweiten Mal den Gerichtsmediziner Böhm, Kobr schlüpft erstmals in die Rolle des Dorfpfarrers.

Ein Gutteil von 'Milchgeld' wird an den Originalschauplätzen des Buchs gedreht, etwa in Altusried. Nach Protesten von Zuschauern wurde diesmal mehr auf Einzelheiten der Literaturvorlage geachtet und der Allgäuer Dialekt in den Vordergrund gerückt. So kam auch Maria Kammel zum Zug, die während ihrer drei Drehtage ab und an Nachhilfe in heimischer Mundart erteilte.

Szene im Haus Weizenegger, Altusried. Ein 'Wurschtsalat' steht auf dem Tisch. Abendessen. Maria Kammel ist Kluftingers Mutter, Tilo Prückner sein Vater.

Es werden Haare gerichtet, Kostüme gezupft und Gesichter abgetupft. Als die Klappe fällt, ist Maria Kammel in ihrem Element. Sie ist die fürsorgliche 'Muettr' des Kommissars. Unangenehm war ihr zunächst der ganze Rummel am Set. Verglichen mit dem Theater sei Fernsehen ganz anders.

'Es ist, wie

in eine neue Welt eintauchen. Alles schwirrt um einen herum. Man muss viel warten, viele Wiederholungen für verschiedene Einstellungen drehen und dabei präzise sein.' Nachdem sie jetzt 'abgedreht' hat, vermisst sie den Filmzirkus doch ein wenig. 'Ich wurde sofort vom ganzen Team herzlich aufgenommen.

Es war einzigartig. Und nach meiner letzten Einstellung haben alle geklatscht. Nur für mich. Da hatte ich eine Gänsehaut und mir kamen die Tränen', sagt sie.

Neue Freunde ge

wonnen

Weil sie als Darstellerin immer sehr viel von sich selbst gibt, ist für Maria Kammel jedes Engagement erst eine Überwindung. Sie steht nicht gern in der Öffentlichkeit, sagt sie. Vonseiten des Produktionsteams erhält Kammel höchstes Lob. 'Sie ist umwerfend', sagt Dr. Stefanie Heckner von der Redaktion des Bayerischen Rundfunks, der koproduziert.

Ihr Filmpartner Tilo Prückner soll sie auch über den grünen Klee gelobt haben. Der 73-Jährige hat ihr zudem versprochen, zu einer Freilichtbühnen-Aufführung im nächsten Jahr zu kommen. Sie sind durch den Dreh Freunde geworden.

Wenn weitere Allgäu-Krimis verfilmt werden, will Maria Kammel wieder dabei sein. Denn die kurze aber intensive Zeit hat sie mitgerissen. 'Dabei habe ich im Leben nie gedacht, einmal in einem Film mitzuspielen', erzählt Kammel und ergänzt nach kurzer Pause, 'und das Zuhause, in Altusried, in meinem Lieblingskrimi.'

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