Jubiläum
Katholische Landjugendbewegung Reicholzried bereichert seit 65 Jahren das Dorfleben

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An Schlitzohrigkeit mangelt es den Reicholzriedern offenbar nicht. Zumindest nicht den Burschen der Landjugend. Seit 1957 stellen diese einen Maibaum im Ort auf. Aber das reiche der umtriebigen Jugend nicht aus, wie Norbert Meggle erzählt. 'Mindestens ein Maibaum wird jedes Jahr geklaut und gegen zwei Stangen Leberkäs und fünf Kasten Bier zurückgegeben', schmunzelt der Landjugend-Boss der Jahre 1985 bis 1987.

Es seien in einem Jahr auch schon mal sieben Maibäume heimlich abtransportiert worden. Und drei Maibäume in einer Nacht entführen, das mache den Reicholzriedern auch so schnell keiner nach, bilanziert Meggle.

Diese und andere köstliche Geschichten prägten das muntere Ehemaligentreffen im Reicholzrieder Landjugendheim. Ehemalige und aktuelle Mitglieder der KLJB trafen sich anlässlich der Gründung vor 65 Jahren.

Da ließ der aktuelle Vorstand Martin Hartmann gerne Zeitzeugen plaudern und auch alte Lichtbilder kommentieren. Juliane Ruf (78) und andere Ältere sprangen gern in die Bresche, wenn keiner mehr die Personen auf den Fotos identifizieren konnte.

Zu den Männern der ersten Stunde gehörte auch der Bildhauer und Restaurator Walter Konrad. Der erinnert sich noch gut an den eher gestrengen Pfarrer Albert Kolb, der die Landjugend im Jahre 1947 gründete. Strenge Sitten hätten damals noch geherrscht, und die Mädchen (Frohschar) und Buben (Jungschar) seien noch getrennt und auch an unterschiedlichen Tagen unterwiesen worden, erinnert sich der 80-Jährige.

Er selber habe die Burschen betreut, mit ihnen mal ein Rennrodeln veranstaltet, Weihnachtskrippen gebaut oder zur Abwechslung auf einer einfachen Wiese Fußball gespielt.

Mädchen hätten bei Tischdeck-Wettbewerben um Preise gekämpft, so der 20-jährige Landjugendchef Hartmann. Seine Oma habe mal so einen Wettbewerb gewonnen, erzählte der junge Mann. Lichtbilder belegten einen Fahrrad-Ausflug der Frohschar zum Grünten. Weil man damals noch auf jede Mark schaute, übernachteten die jungen Damen einfach im Heustadel.

Und wie es sich für eine intakte Dorfgemeinschaft gehört, hilft jeder mit, wenn man ihn braucht. So auch der damals 16-jährige Josef Maier, als er beim Umbau des Landjugendheimes im Jahre 1979 schweißtreibend mit anpackte.

Modernisierungsbedarf habe es genug, gegeben: Die jetzige Küche sei ein Abstellraum gewesen, der einfache Bretterboden über Mutter Erde habe schon gemodert und das Plumpsklo sei nicht mehr tragbar gewesen.

Reifen für das Funkenfeuer

Geändert habe sich auch in anderen Bereichen viel, wie Meinrad Müller feststellte. Zu seiner Zeit als Landjugend-Vorstand in den 60er-Jahren habe die Landjugend Reifen für den Funken bis aus Kempten herangekarrt, auch sei schon mal ein Brandbeschleuniger eingesetzt worden.

Was damals in Reicholzried und anderswo 'ganz normal' gewesen sei, könne man sich heute nicht mehr vorstellen, sagte Müller. Gelächter kam auf, als einige Lichtbilder urige KLJB-Theatergestalten zeigten. Da habe es 'heiße Liebesschwüre' aber auch 'Doktor-Grobschlächtig-Operationen' mit anschließender Sarglegung gegeben, schmunzelten einige Zuschauer.

Alljährliches Rockfestival

Ja, ein 'richtiger Kulturfaktor' sei die Landjugend schon immer gewesen, unterstrich Norbert Meggle und verwies auf die Stadelfeste, die sich zum alljährlichen Rockfestival weiter entwickelt hätten.

Natürlich seien kirchliche Einsätze nie zu kurz gekommen, beispielsweise bei Jugendgottesdiensten mit eigener musikalischer Umrahmung oder in Sachen Sebastiansandacht, Fronleich- namsaltar oder Oktober-Rosenkranz.

Eins ist für Meggle auffallend: Aus so ziemlich allen führenden Personen der Landjugend sei was geworden: Ehemalige würden Vereine leiten, im Gemeinderat sitzen oder gar – wie im Fall Hans-Peter Koch – den wichtigsten Rathaussessel einnehmen. Und noch so ein schönes Kompliment ließ Angela Sem vom Stapel: 'Reicholzried braucht keinen Jugendbeauftragten, weil die Landjugend alles selber in die Hand nimmt.'

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