Junge Bad Grönenbacherin hilft auf Haiti

Feuer, Schreie, Panik. Gebäude stürzen ein. In den Straßen macht sich Verzweiflung breit. Zurück bleiben Trümmer und Tote. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass ein Erdbeben den Karibikstaat Haiti erschüttert hat. Zwölf Monate sind seitdem vergangenen.

Zwölf Monate, «nach denen man nur wenige Fortschritte sieht», sagt Teresa Schaubeck. Die 20-jährige Bad Grönenbacherin war vor Ort, als der Boden damals zu beben begann. Über die Ordensschwestern aus Montagne Lavoûte, bei denen Schaubeck ein knappes halbes Jahr lang als «Missionarin auf Zeit» lebte, weiß die heutige Medizinstudentin aus erster Hand um das Schicksal der Haitianer. Zurück in Deutschland will sie vor allem eines: Spenden sammeln, um zu helfen.

«Das Land gehört zu einem, wenn man da war», sagt Schaubeck, die rund eine Woche nach dem Unglück zurück in ihre Heimat flog. Wenn sie an den Karibikstaat denkt, sei es nicht das Erdbeben, das als erstes ihre Gedanken bestimmt. Dafür habe sie zu viel Schönes dort erlebt. Aber noch immer sei die Katastrophe «ziemlich präsent» in der Öffentlichkeit. Ständig diese Ungewissheit, ob Leute betroffen sind, die sie kennt. Offen ist für sie auch die Frage, wie das Land aus «diesem ganzen Schlamassel» wieder rauskommen soll.

Aus Briefen und E-Mails der Ordensschwestern erfährt Schaubeck von der «riesigen Angst» der Haitianer, möglicherweise keine Kontrolle mehr über ihr Land zu bekommen. Durch die Cholera liege alles brach. Baumaterialien etwa - so wichtig für den Wiederaufbau - fehlten. Aus Sicht der jungen Unterallgäuerin müssten die verschiedenen Hilfsorganisationen mehr zusammenarbeiten und ihre Unterstützung bündeln.

Medikamente sind Mangelware

Schaubeck weiß, dass die Mutter einer ihrer haitianischen Schülerinnen an Cholera erkrankt ist. Die Frau lebt im hügeligen Hinterland. Krankenstationen und Medikamente sind dort Mangelware. Transportfahrzeuge und befestigte Straßen fehlen. Wer Hilfe will, muss es in die Hauptstadt schaffen - von Montagne Lavoûte aus ein drei- bis vierstündiger Fußmarsch über die Berge. «Für Kranke kaum zu schaffen», sagt Schaubeck.

Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland hatte die 20-Jährige damals vor allem eines im Gepäck: Dankbarkeit. Dafür, dass sie das Glück hatte, in Deutschland geboren zu sein und für die Chance auf Bildung. «Wir als bevorzugte Leute haben eine Verantwortung für jene, denen es nicht so gut geht.

» Schaubeck will nicht in Deutschland sitzen und dieses Privileg «nur genießen», wie sie sagt.

«Ich möchte mehr machen»

In Vorträgen am Marianum in Buxheim und in ihrer Kirchengemeinde hat die Studentin über Haiti gesprochen. «Aber das ist mir noch zu wenig. Ich möchte auf jeden Fall mehr machen, um zu helfen», sagt sie. Was, das wisse sie momentan noch nicht genau.

Die Kinder auf Haiti sind für Schaubeck die «Hoffnung» im Land. «Man muss schauen, dass die nächste Generation wieder auf die Beine kommt und zur Schule gehen kann.» Die Haitianer sollen irgendwann wieder stolz auf ihre Herkunft sein können und sie nicht verleugnen - was bisher viele tun, wenn sie sich etwa als Jamaikaner ausgeben, wie es Schaubeck beobachtet hat.

Perspektiven, Zuversicht und Neubeginn statt Krankheit, Panik und Verzweiflung - das wünscht sich die Studentin für das Land, das ihr so sehr ans Herz gewachsen ist.

Kontakt Teresa Schaubeck sammelt Spenden, um den Bau einer Grundschule in Montagne Lavoûte zu unterstützen. Wer ihr dabei helfen will, kann eine E-Mail schicken an teresa.schaubeck@gmx.net

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