Unruhen
Froh, dem Chaos in Ägypten entkommen zu sein

Die Wäsche hängt noch auf dem Balkon, der Kühlschrank ist voller Lebensmittel. Doch wann sie ihr Zuhause wiedersehen werden, das wissen Richard und Ellen Mleschnitza momentan noch nicht. Denn ihre Wohnung befindet sich in Kairo, im zentralen Stadtteil Dokki. Nachdem am Wochenende Bewaffnete durch das Viertel gezogen waren und immer wieder Schüsse zu hören waren, hatte das Paar (wie gestern kurz berichtet) das Land in aller Eile verlassen. «Wir sind froh, dass wir unversehrt raus gekommen sind», so Richard Mleschnitza, der mit seiner Frau bei seinen Eltern in Altusried untergekommen ist.

Am Freitagabend kippte die Stimmung

Seit etwa einem halben Jahr lebt das Ehepaar in Kairo. Der 29-Jährige promoviert gerade, seine Frau Ellen (28) arbeitet als Lehrerin an der Deutschen Schule in Dokki.

«Am Freitagabend ist die Stimmung gekippt», erzählt Richard Mleschnitza. Stunden zuvor waren Internet- und Handyverbindungen gekappt worden. Am nächsten Morgen seien Menschen mit Messern durch die Straßen gelaufen, Bürgerwehren hätten sich gebildet. Als dann in den Reichenvierteln Kairos die Plünderungen auf dem Höhepunkt waren, wollte das Ehepaar nicht länger abwarten. Die beiden buchten einen Flug für Dienstag hinaus aus Ägypten. Per Konvoi ging es am Montagmorgen aus dem Wohnviertel zum etwa 20 Kilometer entfernten Flughafen Kairos. Beim Zurückschauen sahen die beiden Deutschen Brände und Chaos in den Straßen der ägyptischen Hauptstadt.

Großes Durcheinander am Flughafen

Chaotisch sei es dann auch am Flughafen gewesen. «Wir haben erst nicht geglaubt, dass wir überhaupt raus kommen», so der 29-Jährige. Flüge seien von einer Minute auf die andere gestrichen worden, Passagiere seien ziellos herumgeirrt, hätten teils ihre Flugzeuge sogar wieder verlassen müssen. Von offizieller Seite, schildert er, hätten die Deutschen keine Hilfe bekommen. So griff das Ehepaar auch sofort zu, als bei der Gesellschaft Egypt Air am Montagabend mit einem Mal noch Plätze zur Verfügung standen. Erst hinterher fanden Richard und Ellen Mleschnitza heraus, dass ihr eigentlich für Dienstag gebuchter Flug nie abgehoben hat.

Und nun? Der 29-Jährige seufzt ratlos. «Wir werden wohl erst einmal abwarten», meint er dann. Die Nachrichten verfolgen, Kontakt halten zu den Kollegen seiner Frau und zu Freunden in Kairo - das sei derzeit wohl das Einzige, was man tun könne. Denn unnötig in Gefahr bringen wollen sich die beiden Deutschen nicht. Somit sei noch völlig unklar, wann sie in ihre Wohnung in Kairo zurückkehren werden. (sh)

 

Ellen und Richard Mleschnitza

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