Sound
Freilichtspiele Altusried: Rainer Bartesch komponiert die Musik für Robin Hood

Neue Klänge werden heuer auf der Freilichtbühne in Altusried zu hören sein. Neben Chor, Stubenmusik und Blaskapelle tönt beim Stück 'Robin Hood' die 'Sandawa', ein saitenbespanntes Obertoninstrument, und ein an Walgesänge erinnerndes, wassergefülltes 'Waterphone'. Auch werden Gläser in allen Tonhöhen zu hören sein.

Zudem wird eine große Metallplatte mit allerlei Gerätschaften traktiert, um ihr Klänge vom abgrundtiefen Brummen bis zum markerschütternden Schrei zu entlocken. Geboren werden diese Sounds im Hirn von Rainer Bartesch. Er verwandelt sie in Noten, welche eine Blaskapelle, ein Chor sowie Instrumentalisten bei den Aufführungen hörbar machen. Auch eine Harfe ist dabei.

Der 52-jährige Oberbayer vertonte bereits 70 Filme, darunter Filme von Marcus H. Rosenmüller und der Kluftinger-Spielfilm "Erntedank". Bei 19 Kinofilmen war er als Dirigent und musikalischer Leiter aktiv, so bei "Heidi" und "Nirgendwo in Afrika". Demnächst kommen zwei Fernsehkrimis der Reihe "Der Alte" dran.

Aktuell steht Bartesch vor der Herausforderung, den Altusrieder Musikern ein passendes "Klangkostüm" auf den Leib zu schneidern. Also aus den (im Vergleich zu Profis) eingeschränkten Möglichkeiten der Amateure das Optimum herauszuholen. Bei jeder Stimme für die Musikkapelle hat Bartesch den Tonumfang und die technischen Möglichkeiten der Spieler im Hinterkopf. Mit eingängigen Melodien das breite Publikum zu fesseln, aber gleichzeitig auch Finessen und Überraschungen für den Kenner einzubauen, das ist Barteschs Kunst.

Die Komponisten-Laufbahn war Bartesch nicht in die Wiege gelegt. In einem Weiler bei Bernbeuren am Auerberg geboren, gab es für das "soziale Leben" zwei Alternativen: Trachtenverein und Blaskapelle. Der Bub entschied sich für Letzteres. "Als das kleinere Übel", sagt Bartesch lachend. Schnell stellte sich heraus, das Klein-Rainer sich auf der Trompete leicht tat. Dann wechselte er zum Horn. Weil’s ihm bei den Proben oft langweilig war, improvisierte er neue, zusätzliche Stimmen - was ihm der Dirigent nicht verbot, weil er es offenbar gut machte.

Aber dann wollte Rainer Bartesch zum Melodie- noch ein Harmonieinstrument erlernen und brachte sich Gitarrespielen bei. Parallel dazu hatte der Teenager noch eine zweite Leidenschaft: die Pyrotechnik. Mit einem Freund zusammen stellte er alle möglichen Knallkörper her. Sogar an Nitroglyzerin wagten sie sich.

Da lag ein Chemiestudium nahe. Doch bald war die Musik mächtiger. Bartesch studierte Horn und spielte an so renommierten Häusern wie der Dresdner Semperoper. Dann aber wechselte er zu Musik für Film und Fernsehen. Und sattelte das Lehramt fürs Gymnasium gleich noch obendrauf. Nach einem Referendariat wurde Bartesch Dozent an der Musikhochschule.

Doch selbst schöpferisch zu sein, zu komponieren, zur Quelle zu finden, das war einfach der stärkste Reiz. Bartesch möchte dabei nicht nur mit Profis arbeiten, sondern mit "ganz normalen Menschen". Etwa mit Kindern, zum Beispiel in der Montessorischule in Starnberg, wo er heute mit seiner Familie auch wohnt. Dort setzt er immer wieder ambitionierte, preisgekrönte Musiktheaterprojekte um. Bei solchen Gemeinschaftsprojekten geht Rainer Bartesch das Herz auf.

Und was reizt ihn an der Freilichtbühne? "Das Großformatige." Er frage sich als erstes: Für wen ist diese Musik? Wer ist der Adressat? Und versuche dann, die passende Sprache zu finden. "Ich beherrsche viele verschiedene musikalische Dialekte", sagt er. Oft probiere er zusammen mit der musikalischen Leiterin Gertrud Hiemer-Haslach, Regisseur Dominik von Gunten und den Mitwirkenden verschiedene Möglichkeiten aus. "Ganz schön anstrengend", seufzt Bartesch. Inzwischen habe er jede Menge aussortierter Entwürfe, in denen auch viel Herzblut steckt.

Das Thema "Welten verbinden" begleitet Rainer Bartesch. Auch als Alphornspieler. Mit diesem Ur-Instrument versucht er, auf Felder wie Minimal Music oder Bebop vorzustoßen. "Ich bin ein Brückenbauer", sagt er und verrät, er habe die Vision, unsere Welt durch Töne und Klänge ein Stück heiler zu machen, zu versöhnen. Musik und Spiritualität seien eng verbunden, lassen sich gar nicht trennen, ob das den Musikern und Zuhörern bewusst sei oder nicht.

Autor:

Markus Noichl aus Kempten

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