Nesselwang: Viel Lob für den Skiklub Nesselwang

13. Januar 2009 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
ingo buchelt

Behindertensport - Verein richtet die internationalen deutschen Meisterschaften im Langlauf und Biathlon aus

Viel Lob erhielt der Skiklub , der trotz dünner Schneedecke im Ostallgäu erstmals die internationalen deutschen Meisterschaften der Behinderten im Langlauf und Biathlon ausgerichtet hat. Bei herrlichem Winterwetter waren sich Athleten, Betreuer, Offizielle und Zuschauer am Trendsportcenter Allgäu einig: "Eine super Veranstaltung". Nach einer teils vereisten Spur am Samstag fanden die Athleten Sonntag eine optimal präparierte Loipe vor. Walter Spörri, Teamchef der Mannschaft aus der Schweiz, lobte die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer des Skiklubs: "Bei den gegebenen Verhältnissen hat der Klub das Optimum herausgeholt".

Unter den 30 Teilnehmern waren starke Schweizer Läufer in der Rollyklasse (Rollstuhlfahrer), österreichische Teilnehmer sowie die deutsche Elite der Behindertensportler am Start, darunter auch die mehrfachen Weltmeister und Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, Frank Höfle aus Isny und Willi Brem aus Germaringen. Als Prolog wurde am Freitagabend ein Sprint- und Verfolgungsrennen über 900 Meter unter Flutlicht in der freien Technik gelaufen. Ein Skilanglauf im klassischen Stil stand am Samstag auf dem Programm, Sonntag folgte der Wettkampf im Biathlon, beide über zehn Kilometer.

Bei den Rollstuhlfahrern dominierten die Schweizer Ruedi Weber und Bruno Huber: Sie verwiesen die deutsche Konkurrenz auf die Plätze. Der stark sehbehinderte Frank Höfle aus Isny hatte im Langlauf die Nase vorn, vor Brem und Walter Marquardt aus Füssen. Beim Biathlon gewann Josef Giesen, ein Athlet mit verkrüppelten Armen, vor dem nahezu blinden Willi Brem.

"Das Areal ist super. Der Verein hat sich große Mühe gegeben. Aber es fehlt die Beschneiungsanlage, um internationalem Standard zu entsprechen", wünschte sich Aktivensprecher Höfle eine etwas anspruchsvollere Strecke mit mehr Steigungen.

Skiklubvorsitzender Karl Schmid, der die Veranstaltung moderierte, hält eine Beschneiungsanlage ebenfalls für wünschenswert, um eine Sicherheit für Veranstaltungen dieser Größenordnung zu haben. Rund 100 Lastwagenladungen voll Schnee waren nötig, um die Loipe zu präparieren. "Ohne den Schnee aus dem Ort hätten wir die Meisterschaften nicht durchführen können", betonte Streckenchef Franz Keller.

Mehr Schnee für Biathlon

Trainer Spörri erläuterte das Sturzrisiko für die Rollstuhlfahrer bei geringer Schneehöhe: "Während ein stehender Athlet in der Kurve umtreten kann, wird der Langlaufschlitten durch die Fliehkraft nach außen getrieben. Ist die Spur nicht tief genug, kann man sich nicht auf sie verlassen".

Das wurde am Samstag einer Athletin beim Warmlaufen zum Verhängnis. Sie stürzte in einer Kurve und musste ins Krankenhaus gebracht werden, weil sie sich Prellungen zuzog. Für den Biathlon am Sonntag fuhren die Nesselwanger weiteren Schnee an und präparierten die Strecke nach. Das Lob der Aktiven war einhellig: "An der Loipe war nichts auszusetzen", stimmten Brem und Martin Hartl überein, der für den SKN startete.

Für das Nachwuchstalent Philip Nawrath (15) aus Nesselwang, bayerischer Schülermeister im Biathlon, brachte die Veranstaltung eine besondere Premiere. Er stellte sich kurzfristig dem 18-jährigen stark sehbehinderten Daniel Hanke als Begleitläufer zur Verfügung. "Es war nicht einfach. Man muss sich sehr auf die Strecke und den Läufer konzentrieren. Aber dafür ist es ein tolles Gefühl, wenn man zusammen ins Ziel kommt", sagte Nawrath.