Marktoberdorf | Von Kornelia Hieber: "Schöne Musik macht froh"

18. Dezember 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Kinderoper - Klassische Klänge ziehen junge Zuhörer in ihren Bann

Kinder und Oper - das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Dass sich bei entsprechender Aufbereitung eines Opernstoffes auch Kinder dafür begeistern können, bewies die "Little Amadeus Opera" mit der Aufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" im fast ausverkauften Modeon.

Mit Mozart-Pop und der Figur des "Kleinen Amadeus" wurden die jungen Zuhörer auf die Spieloper eingestimmt. Danach erwartete sie eine komprimierte Version der bekannten Entführungsgeschichte. Die wichtigsten Arien wurden von ausgebildeten Opernsängern gesungen, allenfalls um einige Strophen gekürzt. Rezitative und Chorszenen wurden durch eine kindgerecht gespielte Handlung ersetzt. "Wir legen Wert auf eine gute Verständlichkeit der Texte, die wir im Original sprechen und singen, aber wir wollen die Kinder nicht für dumm verkaufen", so umschrieben die Ensemblemitglieder ihre Intention.

Auch bei den Jüngsten viel Anklang gefunden

Die Altersbegrenzung "für Kinder ab 8 Jahre" war sicher gerechtfertigt, denn die Kinder mussten sich die Handlung aus dem Bühnengeschehen erschließen. Trotzdem fand die Kinderoper auch bei den vielen jüngeren Kindern im Publikum viel Anklang.

Mit der Textverständlichkeit in den gesungenen Arien haperte es zwar teilweise in den hinteren Besucherrängen, ansonsten ging das Konzept der jungen, engagierten Truppe voll auf. Dies war leicht an den gebannt lauschenden und immer wieder fleißig applaudierenden Kindern zu bemerken.

Fantasievolle Kostüme und ein farbenfrohes Bühnenbild taten ein Übriges zum gelungenen Gesamteindruck. Ganz nebenbei war die Geschichte um Selim Bassa, der den Sohn seines Erzfeindes am Schluss mit seinen Freunden unbehelligt ziehen lässt, auch ein Lehrstück für Toleranz und Mitmenschlichkeit.

Für die Musik sorgte das Orchester SAP Kammerphilharmonie: Dahinter versteckten sich ein etwa zehnköpfiges Bläserensemble, ein Kontrabass und ein Flügel, welcher auch den Streicherpart übernahm. Mit einem richtigen Streichorchester konnte dieses "abgespeckte" Ensemble natürlich nicht konkurrieren, musizierte aber sauber und mit viel Schwung und Elan.

Finanziert wurde das Gastspiel der "Little Amadeus Opera" aus dem "Klassik-für-Kinder-Fonds" der Bürgerstiftung Ostallgäu. Damit soll die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an die klassische Musik gefördert werden. Stifter Gerhard Schempp aus Markt Kaltental freute sich, dass bereits zum zweiten Mal eine Kinderoper im Landkreis aufgeführt werden konnte, und er kündigte eine weitere für das kommende Jahr an.

Schirmherrin Dr. Irene Epple-Waigel lobte die Initiative, welche alles andere als selbstverständlich sei. "Schöne Musik macht froh, sie steckt in jedem Menschen drin und verbessert die Sprachfähigkeit", zitierte sie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen.