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Artikel: "Opfer" muss lange im Keller ausharren

26. August 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Großübung 118 Brandschützer aus der Umgebung proben bei Leeder den Ernstfall

Von Andreas Hoehne |LeederGroßfeuer in einem abgelegenen Bauernhof: Das hatte es erst vor zwei Jahren im Weiler Schäfmoos bei Leeder gegeben. Nur 800 Meter davon entfernt liegt das Gehöft im Aschtal. Die neun Feuerwehren aus dem Landkreis, die am Samstagmittag dorthin ausrückten, hatten zum Glück keine Flammen zu bekämpfen. In einer Großübung, bei der 118 Feuerwehrleute zum Einsatz kamen, wurde unter anderem mit Erfolg die neue integrierte Rettungsleitstelle getestet.

Blitzeinschlag in einer Scheune mit aufflackerndem Brand - so lautete die Beschreibung, mit der um 13.15 Uhr der Großalarm ausgelöst wurde. Das Szenario: In der Tenne, aus der stilecht Rauch quoll, war der vom Blitz getroffene Landwirt sieben Meter von der Hebebühne in die Tiefe gestürzt, zudem lag eine weitere hilflose Person auf dem Gerüst vor dem Gebäude.

Bestimmungsgemäß übernahm Martin Guggenmos, Kommandant aus Leeder, die Einsatzleitung. Seine Aufgabe war es unter anderem, die Arbeit der acht anderen Feuerwehren aus Asch, Denklingen, Unterdießen, Oberdießen, Epfach, Reichling, Pflugdorf und Landsberg zu koordinieren.

Während die ersten Atemschutzträger sich einen Weg in das verrauchte Gebäude bahnten, waren die Ascher Kollegen damit beschäftigt, die Löschwasserversorgung zu verbessern. Als sich herausstellte, dass die Wasserentnahme aus dem kleinen Bächlein wenig effektiv ist, wechselten sie kurzfristig den Standort zu dem oberhalb gelegenen Teich. Mit der Drehleiter arbeiteten sich die Landsberger an die auf dem Gerüst liegende Person heran.

Als die Situation einigermaßen unter Kontrolle gebracht zu sein schien, wartete das nächste Szenario: Der Blitz habe im benachbarten Sägewerk einen Kurzschluss und in der Folge einen weiteren Brand ausgelöst, teilte er dem Einsatzleiter mit. Hier seien sogar vier Personen eingeschlossen. Herbert Negele aus Denklingen übernahm daraufhin die Koordination dieser neuen Aufgabe.

Kein großes Problem war auch hier der Aufbau der Schlauchleitungen, zudem hätte im Ernstfall der einsetzende Regen zusätzliche Hilfe geleistet. Umso komplizierter erwies sich jedoch die Vermisstensuche. Immer wieder stießen die Atemschutzträger in den dunklen, unübersichtlichen Raum vor, auch die Wärmebildkamera kam hierbei zum Einsatz. Trotzdem dauerte es bis 14.22 Uhr, bevor mit Roland Ruf das letzte "Opfer" geborgen und der Einsatz für beendet erklärt werden konnte.

Bei der abschließenden Lagebesprechung verdeutlichten der zuständige Kreisbrandinspektor Robert Waldhauser und Johann Hagenbusch die Funktion der neuen Leitstelle.

Für einen Einsatz dieser Art gebe es einen Katalog von benötigter Ausrüstung, wie etwa 6000 Liter Löschwasser im Tank, 500 Meter an Schläuchen, drei Tragkraftspritzen, eine Wärmebildkamera und eine Drehleiter - und der Computer treffe nach diesen Gesichtspunkten die Auswahl unter den einsatzbereiten Feuerwehren. Dies müssten nicht immer die nächstgelegenen sein, erläuterte Waldhauser, so könne es schon vorkommen, dass die Einsatzfahrzeuge durchs Dorf fahren und man selbst nicht mit dabei sei.