Artikel: Opfer identifiziert, Tatverdächtiger festgenommen

29. August 2008 13:53 Uhr von Allgäuer Zeitung

Neues zum Leichenfund in Füssen

Kempten (p). Mit der Festnahme eines Tatverdächtigen und der Identifizierung der getöteten Frau können Staatsanwaltschaft und Polizei einen großen Erfolg vermelden. Donnerstagnacht erklärten Beamte der SoKo 'Moosanger' einem 27-jährigen arbeitslosen Mann aus Füssen die Festnahme. Bei der getöteten Frau handelt es sich um eine 23-jährige, in Thailand geborene Deutsche, die im Gastronomiebereich tätig und die ehemalige Lebensgefährtin des Beschuldigten war. Für die Polizei ist die Klärung dieses Verbrechens mit einer zunächst äußerst schwierigen Ausgangslage innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes von nur vier Tagen ein sehr großer Erfolg. Durch den Personalansatz von bis zu 120 Beamten, die gleichzeitig im Einsatz waren, wird deutlich, welche große Bedeutung der Klärung dieses Verbrechens zugerechnet wurde. Es wurde nach Bekannt werden des Fundes sämtliche Möglichkeiten der Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt und genutzt. In die Ermittlungen waren Spezialisten der unterschiedlichsten Dienststellen/Präsidien eingebunden. Hierbei wurde auch auf fachkundige Verbindungsbeamte der österreichischen Polizei zurückgegriffen, die kurzfristig angefordert worden waren.   Neben dem Ziel einer raschen Klärung der Tat stand für die Polizei insbesondere das  Sicherheitsempfinden der Bevölkerung im Vordergrund. Die Schlagzeilen in der Presse und die Aussagen der Bürger spiegelten das Bild einer massivern Verunsicherung wieder. Bei den Ermittlungen wurden ebenfalls die Ängste der Bevölkerung, die aus dem Fund des Leichnams entstanden, deutlich; gleichzeitig hat die Polizei eine umfassende Unterstützung durch die Bevölkerung sowie von Behörden und zahlreichen Firmen erhalten.   Polizeivizepräsident Reinhard Kunkel: 'Bei dieser Tat handelt es sich um einen Vorgang von sicherheitspolitische Bedeutung. Umso zufriedener stimmt mich die Tatsache, dass die Ängste und Sorgen der Bevölkerung in der Region durch die Festnahme des Täters jetzt ausgeräumt sind. Ich möchte allen Kollegen der 20-köpfigen SoKo, die teilweise rund um die Uhr gearbeitet haben, für Ihren großen Einsatz und den schnellen Erfolg danken.'   Auslöser für die Ermittlungen war der Fund eines Pilzsammlers am Sonntag den 24.08.2008 in Füssen. Gegen 14:30 Uhr stieß er in einem Waldstück südlich des Moosangerweges auf einen blauen Müllsack. Neugierig geworden schnitt er mit einem Messer den Müllsack auf und fand dabei den Torso einer Frau vor. Aufgrund des Fundes verständigte der Mann unverzüglich die örtlich zuständige Polizeiinspektion Füssen.   Beamte der Kriminalpolizeiinspektionen aus Kempten und Memmingen begannen noch am Sonntag mit der Spurensicherungsarbeit am Fundort. Am Sonntagabend wurde der Torso, bei dem die Extremitäten und der Kopf fehlten, in die Gerichtsmedizin nach München gebracht. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Obduktion war davon auszugehen, dass es sich bei der Getöteten um eine junge Frau im Alter von ca. 21 Jahren handelte. Unter anderem aufgrund der Hautfarbe wurde von einer südländischen Abstammung ausgegangen. Aufgrund des Zustandes des Torsos wurde eine Liegezeit im Bereich von einer Woche vermutet. Der Todeszeitpunkt wurde ähnlich eingeschätzt.   Da aufgrund der Gesamtumstände von schwierigeren und längerfristigen Ermittlungen auszugehen war, wurde die SoKo 'Moosanger' bei der Kriminalpolizeiinspektion Kempten ins Leben gerufen.   Durch Suchmaßnahmen und den Ermittlungen am Fundort stand fest, dass dieser nicht identisch mit dem Tatort war. Da zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war, welche Informationen in dem Verfahren noch von Bedeutung werden könnten, fanden zeitgleich umfangreiche Maßnahmen mit der Zielrichtung der Informationsgewinnung, dem Beweismittelerhalt und der Datenbeschaffung statt. Um den Verbleib der fehlenden Körperteile zu klären, wurden Leichensuchhunde, unter anderem aus den Polizeipräsidien Schwaben Nord und München, eingesetzt.   Neben der Öffentlichkeitsfahndung wurde mit der Befragung der Bevölkerung in Füssen begonnen. Aufgrund dieser Maßnahmen gingen bis heute rund 50 Hinweise ein. Ein gleichzeitig vorgenommener Abgleich der bis dato bekannten Vermisstenfälle aus Bayern und den anderen Bundesländern führte zunächst nicht zur Identifizierung des Opfers. Bedingt durch die Grenznähe des Fundortes waren Ermittlungsmaßnahmen in Österreich erforderlich.   Der entscheidende Schritt zur Klärung der Straftat waren zwei Informationen, die am Mittwoch bei der Polizeiinspektion Füssen eingingen. Zunächst  teilte ein Arbeitgeber aus Füssen mit, dass eine ehemalige Beschäftige ihre persönlichen Sachen nicht abgeholt hätte und nicht mehr erreichbar sei. Fast zeitgleich ging eine Vermisstenanzeige einer Polizeidienststelle aus Rheinland-Pfalz ein. Hierin wurde ebenfalls diese Frau von ihrer Großmutter als vermisst gemeldet. Beide Mitteiler haben sich erst aufgrund der intensiven Berichterstattung in den Medien an die Polizei gewandt.   Aufgrund dieser beiden Hinweise wurde die Wohnanschrift der Vermissten überprüft. Dort konnte der ehemalige Lebensgefährte der Vermissten angetroffen werden. Weitere Überprüfungen erbrachten erste Hinweise auf eine möglicherweise längere Abwesenheit der Vermissten, ebenso wurden Differenzen zwischen dem 27-Jährigen und der Frau bekannt. Nach einer ersten Vernehmung verstrickte sich der Arbeitslose in Widersprüche und gab gegenüber den Beamten der SoKo zu,  seine Ex-Freundin getötet zu haben.   Aufgrund der Angaben des Tatverdächtigen fanden am Donnerstag im Laufe des Tages weitere Suchmaßnahmen im Großraum Füssen statt, bei denen der Tatverdächtige die Beamten zu den Ablageorten der fehlenden Körperteile führte, was die bisherigen Ermittlungen bestätigte. Bestimmte persönliche Gegenstände des Opfers konnten noch nicht aufgefunden werden. Weitere Suchmaßnahmen sind daher noch erforderlich.   Gegen den Tatverdächtigen erging heute Haftbefehl wegen Totschlags. Der Beschuldigte habe im Rahmen einer verbalen Auseinandersetzung seine Lebensgefährtin erwürgt.