Serie Teil 4 Mit der Metallurgie ziehen neue Techniken ein - Funde im Allgäu rar">

Artikel: Mit der Bronzezeit Sprung in neue Kultur

25. September 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
beckmann

Serie Teil 4 Mit der Metallurgie ziehen neue Techniken ein - Funde im Allgäu rar

Marktoberdorf/Ostallgäu | fro | Während die Sumerer schon in Keilschrift und die Ägypter in Hieroglyphen schrieben sowie komplizierte soziale Hochkulturen im Nahen Osten und Ägypten bestanden, lebten die Menschen im Allgäu in der Bronzezeit noch einfach und naturabhängig. Die Kulturen dieser Zeit breiteten sich "stetig und langsam in die waldreichen Hügellandschaften Südschwabens aus", so Ex-Bezirksheimatpfleger Hans Frei. Spätestens in der mittleren Bronzezeit kamen sie auch am Alpenrand an.

Doch: "Der Forschungsstand zu den Metallzeiten im Allgäu ist denkbar schlecht", meint der Archäologe Dr. Hanns Dietrich vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Die meisten Fundstellen aus der Bronzezeit ab 2200 liegen im nördlichen Allgäu. "Die Funde werden von Norden nach Süden immer spärlicher", erklärt Frei. Die wenigen Stellen im Süden wurden zumeist an Flussläufen angelegt, dazu kommen noch einige Höhensiedlungen, so in der Nähe von Bidingen.

Dennoch seien die Funde bedeutend, da sie zeigten, dass auch im Allgäu ein eminenter Evolutionssprung geschah. "Die Bronzezeit ist wichtig, da dort erste Werkzeuge aus Metall gefertigt wurden und neue Technologien entstanden", so Dr. Sebastian Sommer vom BLfD.

Die Menschen verhütteten aus Zinn- oder Kupfererz und gewannen so Zinn oder Kupfer. Aus beiden Erzen ließ sich Bronze gewinnen. Das wurde dann durch unterschiedliche Verfahren in Formen wie Nadel, Beil oder Schwert gegossen. Die Gegenstände konnten durch Schmieden noch weiter gehärtet und durch Techniken wie Ziselieren oder Punzieren verziert werden.

Aus der älteren Bronzezeit stammt ein Schmuckfund aus dem Moor von Buchloe-Honsolgen. Darüber hinaus gibt es laut Sommer nur noch ein paar Stellen im Ostallgäu mit Grabfunden.

Bei zweien liegt auch der Schwerpunkt der Siedlungen: bei der Welberschanze bei Osterzell-Ödwang und bei einem Grabhügelfeld im Sachsenrieder Forst bei Bidingen. Dort wurden Töpfe und Spangen gefunden. Im Agathazeller Moor bei Burgberg wurde zudem Ackerbau aus der Bronzezeit nachgewiesen. Außerdem wurden in der Wertach bei Kaufbeuren Beile und Schwerter gefunden. Einen spektakulären Fund machten Archäologen im Jahr 2006 in Pforzen: Dort wurden bis zu 18 Meter im Durchmesser große Grabhügel, menschliche Skelette sowie seltene Grabbeigaben wie Klingen oder Nadeln gefunden, die rund 3800 Jahre alt sind.

Stabilere Werkzeuge und Sprung bei Schmuckherstellung

Die Technik der Metallurgie in der Bronzezeit bedeutete stabilere, haltbarere Werkzeuge und Waffen und zugleich verbesserte Herstellungsmöglichkeiten. Nebenbei machte die Schmuckproduktion ebenfalls einen Sprung - im Prinzip bis in die Moderne.