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Artikel: Kreis will Lindau einheizen

25. Juli 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Klimaschutz Landrat Elmar Stegmann plant Fernwärmenetz

Lindau/Westallgäu | ee | Energiesparen und Klimaschutz hält Landrat Elmar Stegmann für sehr wichtige Themen. So sind Windräder im Kreis Lindau für ihn kein Tabu, die Lindenberger Realschule wird auf Passivhausniveau erweitert. Jetzt plant der Landkreis Großes: Er will in Lindau ein mit Holzhackschnitzeln angeheiztes Fernwärmenetz aufbauen.

Die Heizung, die in Berufsschule, Fachoberschule und Bodensee-Gymnasium für Wärme sorgt, ist betagt. Der Kreisetat sieht vor, 2009 eine neue zu installieren. Schon im Januar hat der Haushaltsausschuss die Verwaltung beauftragt, die Möglichkeiten eines Heizkraftwerkes mit alternativen Energien untersuchen zu lassen.

Seit wenigen Tagen liegt diese Machbarkeitsstudie im Landratsamt auf dem Tisch. Der Peißenberger Ingenieur Stefan Sendl, der unter anderem auch für den Kemptener Abfallzweckverband arbeitet, hat erste Daten gesammelt für ein kleineres Holzhackschnitzelheizkraftwerk, das an der Berufsschule Platz finden könnte: Die Idee heißt Fernwärmenetz.

1400 Tonnen Hackschnitzel

2500 Megawattstunden Wärme brauchen die beiden Gymnasien und das Berufsschulzentrum, für die der Landkreis verantwortlich ist. An dieses Netz anschließen, weil sie "am Weg liegt", würde der Fachmann auch die städtische Sporthalle. Mit 1400 Tonnen "waldfrischen" Holzhackschnitzeln könnte dieser Wärmebedarf gedeckt werden. "Das sind 50 Lastwagenladungen für den Jahresbedarf", zerstreute Sendl sofort Bedenken über zusätzlichen Verkehr im Aeschacher Schulzentrum.

Angesichts der explodierenden Energiepreise halten Sendl, Kreiskämmerer Josef Nuffer und Landrat Elmar Stegmann diese Lösung für ideal. Denn um zehn Kilowattstunden Wärme zu erzeugen, müssen für Öl derzeit über 80 Euro und für Gas 70 Euro bezahlt werden. Holzpellets kommen immerhin noch auf knapp 40 Euro - während der Brennstoff Holzhackschnitzel nur gut 20 Euro koste.

"Und das stärkt den regionalen Markt", gab Stefan Sendl weiter zu bedenken.

Kritik im Vorfeld ausbremsen will der Landkreis, indem er den derzeit geplanten 900-kW-Kessel mit einer hochwirksamen Staubabscheidertechnik versehen lässt, wie es vom Gesetz erst bei großen Anlagen über ein Megawatt vorgesehen sei: "Eine Feinstaubbelastung stellt dieses Heizkraftwerk nicht dar", betonte der Fachingenieur im Kreisumweltausschuss.

1,6 Millionen Euro soll nach ersten Berechnungen die neue Heizung kosten, wovon 400000 Euro auf das Fernwärmenetz entfallen.

Kreisräte begeistert

Quer durch alle Fraktionen zeigten sich die Mitglieder des Umweltausschusses begeistert von dieser Idee. Peter Borel würde auch die Kreisgärtnerei und die heutige Beratungsstelle im ehemaligen Energieberatungszentrum anschließen. "Unsere Wälder geben genügend Holz her", weiß Paul Straub, "die Waldbesitzervereinigung Westallgäu wäre ein guter Partner", ergänzte Michael Hornstein. Auch Treibholz als Energiequelle könne in Frage kommen, hofft Ursula Krieger. Sparen will der Landkreis damit aber nicht nur harte Euros: wichtig sei auch, dass dann die Kohlendioxidbelastung in Lindau sinken würde.