Jubiläum Die Kirche St. Bartholomä in Friesenried wird 500 Jahre alt - Festgottesdienst am Sonntag mit Bischof Dr. Walter Mixa">

Artikel: Gotische Spuren in einem barocken Bau

28. Oktober 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
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Jubiläum Die Kirche St. Bartholomä in Friesenried wird 500 Jahre alt - Festgottesdienst am Sonntag mit Bischof Dr. Walter Mixa

Friesenried | sim | Auf einer Anhöhe zwischen Friesenried und Salenwang steht, weit außerhalb der beiden Ortschaften, die Pfarrkirche St. Bartholomä - und das seit 500 Jahren. Wie aus einer Kaufbeurer Chronik hervorgeht, wurde das Gotteshaus nämlich am 29. Oktober 1508 geweiht.

In den 500 Jahren ist einiges passiert. Die Friesenrieder und Salenwanger setzten sich anfangs sehr für St. Bartholomä ein, da beide Ortsteile ursprünglich der Pfarrei Oberbeuren zugeordnet waren. Die Bürger mussten deshalb eineinhalb Stunden Fußweg auf sich nehmen, wenn sie nach Oberbeuren zum Gottesdienst wollten. Erst im Jahre 1692 bekam St. Bartholomä einen eigenen Kaplan zugewiesen, bereits drei Jahre später bauten die Friesenrieder aber die Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche St. Josef direkt im Ort.

Der daraufhin entstandene Zwist zwischen Salenwang und Friesenried dauerte mehr als 100 Jahre lang. Die Salenwanger wollten St. Bartholomä nicht aufgeben, da die Kirche wegen der Entfernung den für sie weitaus günstigeren Gottesdienstort darstellte.

Wohl aufgrund heftiger Feindseligkeiten zwischen den beiden Ortsteilen beschloss 1806 die Regierung, dass Gottesdienste während der Sommermonate in St. Bartholomä, während der Wintermonate in Friesenried abzuhalten waren.

Endgültig ausgedient hatte St. Bartholomä dann aber im Zweiten Weltkrieg, als die Luftangriffe immer bedrohlicher wurden. Der damalige Pfarrer Joseph Zindath schrieb dazu in seinen Unterlagen: "Es war für eine ganze Pfarrei nicht mehr möglich, ohne jegliche Deckung bis nach St. Bartholomä zu gehen."

Glocken in Hamburg

Vielen unbekannt ist, dass die beiden älteren Glocken der Kirche der Waffenproduktion im Zweiten Weltkrieg dienen sollten. Die Glockenbronze besteht zu 80 Prozent aus Kupfer und zu 20 Prozent aus Zinn - wertvolle Materialien zur Waffenherstellung. Fünf Jahre lang standen die Glocken in Hamburg, um eingeschmolzen zu werden, wurden aber 1947 unversehrt zurückgebracht. Eine Hamburger Bürgerin hatte per Postkarte den Hinweis gegeben, die Glocken seien unbeschädigt. Seitdem hängen sie wieder im Glockenturm.

Tradition lebt wieder auf

Heute wird in alter Tradition in den Sommermonaten regelmäßig ein Werktag-Gottesdienst in der Landkirche abgehalten und manche Paare lassen sich in dem geschichtsträchtigen Gebäude trauen. Die Kirche weist von ihrer ursprünglichen Struktur her gotische Züge auf - wurde aber später barockisiert. So präsentiert sie sich noch heute. Zu Beginn des nächsten Jahres wird das Gotteshaus grundsaniert.

Um aber zunächst das bevorstehende Jubiläum standesgemäß zu begehen, wird es am Sonntag, 2. November, um 10 Uhr einen großen Festgottesdienst mit Bischof Dr. Walter Mixa geben, gestaltet vom Kirchenchor Friesenried. Nach dem Gottesdienst wird der Bischof den anschließenden Festzug mit Blasmusik und Fahnenabordnungen der Vereine zur Schule in Friesenried anführen.

Dort besteht die Gelegenheit, sich bei einem Stehempfang mit dem Geistlichen zu unterhalten.