Artikel: Ex-Hausverwalter zu Unrecht angezeigt

13. Dezember 2002 20:30 Uhr von Allgäuer Zeitung

Richter verurteilt Eigentümer wegen falscher Verdächtigungen

Kaufbeuren/Buchloe (bbm). Er lag schon seit längerem mit der Hausverwaltung seiner Eigentumswohnungen im Clinch, als er im Frühsommer gegen den Firmeninhaber ein Strafverfahren wegen angeblichen Missbrauchs einer Einzugsermächtigung in Gang setzte. Der 51-Jährige Eigentümer - er besitzt in Buchloe mehrere Wohnungen - hatte in seinem Schreiben an die Staatsanwaltschaft allerdings verschwiegen, dass der Hausverwalter die offenbar versehentlich abgebuchten Posten prompt zurücküberwiesen hatte. Für den Richter war dies ein klarer Fall von falscher Verdächtigung. Er verurteilte den Angeklagten zu 3200 Euro Geldstrafe. Im Verfahren war deutlich geworden, dass die Beziehungen zwischen den Parteien schon seit geraumer Zeit äußerst problematisch sind und bereits mehrfach das Zivilgericht beschäftigt haben. Für den Zwist habe es 'irgendwann einmal einen Grund gegeben, den ich aber bis heute nicht weiß,' erklärte jetzt der Hausverwalter als Zeuge. Der Konflikt habe ihn in zunehmenden Maße gesundheitlich belastet und sei letztlich nicht mehr tragbar gewesen. Deshalb habe er den Verwaltungs-Vertrag für die fragliche Wohnanlage zum 31. Mai gekündigt. Aufgrund eines Versehens sei dann die automatische Abbuchung für den Juni noch im Computer gelaufen. Er habe dies jedoch sofort bemerkt und die Rücküberweisung an alle Eigentümer der Wohnanlage veranlasst, so der Zeuge. Das Geld war einen Tag später wieder auf dem Konto des Angeklagten. Für den Verteidiger kam es dagegen auf die Rückbuchung nicht an: Sein Mandant habe deshalb Anzeige erstattet, weil die Abbuchung an sich nicht rechtens gewesen sei. Ein Diebstahl, bei dem eine Sache später zurückgegeben werde, bleibe ein Diebstahl, argumentierte der Anwalt und beantragte einen Freispruch vom Vorwurf der falschen Verdächtigung.

Vor Lachen gewiehert Der Richter hatte dagegen im Urteil keinen Zweifel, dass es sich bei der Nichterwähnung der Rückzahlung gegenüber den Ermittlungsbehörden um ein bewusstes Verschweigen gehandelt hatte. Wenn nämlich der Angeklagte die umgehende Berichtigung des Buchungsfehlers in seiner Anzeige angegeben hätte, dann hätten angesichts des Bagatell-Sachverhalts wohl bei der Staatsanwaltschaft 'alle vor Lachen zu Wiehern angefangen', so der Vorsitzende.