Artikel: Ein Tänzchen mit Marilyn Monroe

19. Januar 2003 20:29 Uhr von Allgäuer Zeitung

Traditioneller Buroniaball der Kunstreiter im Kaufbeurer Stadtsaal

Von Wolfgang Wichmann, Kaufbeuren - 'Fast wie im Traum' muss sich der Kaufbeurer Oberbürgermeister am Samstag gefühlt haben. Auf dem traditionellen Buronia-Ball der Kunstreiter durfte Andreas Knie mit Marilyn Monroe ein Tänzchen auf das Parkett des Stadtsaals legen. Schon seit 1866 bereitet der Verein Karnevalsgesellschaft Kunstreiter den Kaufbeurern Vergnügen und Spaß - genauso lange ranken sich auch die unterschiedlichsten Erzählungen um die vergangenen Buronia-Bälle. Streng nach Protokoll erlebten die rund 400 Ballbesucher den Auftakt des Abends. Im Gefolge der Schwangauer Prinzengarde marschierte der erste Präsident der Kunstreiter, Wolfgang Noack, mit seinen zwölf Senatoren ein. Seine Mannen mit Umhängen und Narrenkappen verlieh Noack in seinen Grußworten gleich einen ganz anderen Glanz: Angehängt an den Vereinsnamen dankte er seinen 'Arbeitspferden', ohne deren Leistung die Tradition der Buronia-Bälle nicht fortgesetzt werden könnte. Humor bewies auch der Schirmherr des Abends, Oberbürgermeister Andreas Knie, in seinen Eröffnungsworten: Obwohl die Welt nur zwei Pole habe, seien im Kaufbeurer Stadtrat 'drei Pohle' vertreten. (Bernhard Pohl FWG; Rolf Diether Pohl CSU, Joachim Pohl, WIN; Anm. d. Redaktion) Da sei es doch auch nicht verwunderlich, dass sich 'mal alles - dann aber wieder auch mal wieder gar nix' bewegen' wolle.

Angeschlagener Franz Pschierer Nach mehreren Jahren der Abstinenz hatte sich auch der Allgäuer CSU-Landtagsabgeordnete Franz Pschierer aus Mindelheim wieder einmal auf den Kunstreiterball getraut. Doch der musste sich den ganzen Abend einige gutgemeinte Sticheleien der Ballgäste gefallen lassen. Nach einem Skiunfall in Ischgl an Weihnachten war Pschierer nämlich mit einer ausgekugelten Schulter und einer gebrochenen Rippe zurückgekehrt. Unter den Augen des Mediziners Andreas Knie schunkelte sich Pschierer durch 'tanztherapeutische Maßnahmen' mit seiner Gattin Marlies, aber auch mit den anderen anwesenden Damen in einen schmerzfreien und vergnügten Abend. Vor allem bei 'Mambo No.5' war er nicht mehr von der Tanzfläche zu kriegen: 'Als Teilinvalide fühle ich mich hier einfach super.' Gemäß dem Anspruch 'Schwarz-weiß-Ball' haben die Kunstreiter keine Mühen gescheut, den tanzwütigen Gästen einen schönen Abend zu bereiten. Mit der Tom Lehner-Band aus Ulm spielte eine Band, die unter anderem schon drei Mal bei den höchsten deutschen Tanzmeisterschaften für die Musik verantwortlich war. Als Einlagen zeigte die Schwangauer Prinzengarde einen Garde- und einen Showtanz. Aus Freude über die Einladung nach Kaufbeuren ehrten Martina I. und Robert II. den ersten Präsidenten Wolfgang Noack und seinen Vertreter Günter Alt mit dem 'Schwoager Fastnachtsorden'. Der Höhepunkt des Abends war aber sicherlich der Auftritt der Bayreuther Sängerin Gloria Sander. Ob als Marilyn Monroe, Maria Hellwig oder Tina Turner - die Künstlerin brachte so richtig Stimmung ins Haus. 'Mit euch kann man ja jeden Scheiß machen', freute sie sich mit dem begeisterten Kunstreiter Publikum. Beim 'Ketchup Song' hielt es keinen mehr auf den 'Sesseln'. Traditionell verließen erst am frühen Morgen die letzten Gäste den Kaufbeurer Stadtsaal.