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Artikel: Dorfgemeinschaft hilft und feiert zusammen

26. Juli 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Jubiläum Vor 20 Jahren wuchs Weibletshofener Kapelle bei spektakulärer Aktion um 60 Zentimeter

Marktoberdorf-Weibletshofen | sg | In Weibletshofen steht die Kapelle St. Anna und Joachim. Vor genau 20 Jahren fiel der Entschluss, dieses kleine Gotteshaus aus dem Jahr 1829 zu restaurieren. Die ganze Dorfgemeinschaft half zusammen. Und schon ein Jahr später konnte die Kapelle erneut ihrer Bestimmung übergeben werden. Seither findet jedes Jahr zum Namenstag der Mutter Mariens, Anna, ein großes Fest rund um die Kapelle statt. Heute, Samstag, ist es wieder soweit.

Wegen ihres Standortes unterhalb des Straßenniveaus war die Kapelle stets der Feuchtigkeit ausgesetzt. 1988 beschlossen die Weibletshofener daher, die Kapelle zu heben. Die Umfassung wurde ausgebaggert, in die Wände wurden Löcher gebohrt, in denen Eisenträger Halt fanden. Mit deren Hilfe und dem Einsatz von Hydraulikhebern wurde das Haus im Januar 1988 um 60 Zentimeter erhöht. Bei der riskanten Aktion schwankten die Weibletshofener zwischen Hoffen und Bangen - aber das Mauerwerk hielt. Der entstandene Hohlraum unter dem Gebäude wurde mit Kies und Beton aufgefüllt, die weitere Sanierung konnte beginnen.

Die Weibletshofener - der Ort zählt neun Häuser - halfen alle zusammen. Nur das Material wurde von der Stadt Marktoberdorf bezahlt und einiges Geld kam über Spenden herein. Etwa 900 Stunden, so ist in der Chronik nachzulesen, wurden von den Weibletshofenern unter der Leitung von Erich Rößle und Benedikt Reichart ehrenamtlich geleistet. Einige der Arbeiten mussten jedoch auch an Firmen übergeben werden.

Erneuert wurde unter anderem das Dach. Der Außenputz wurde abgeschlagen und neu aufgebracht. Das Turmdach bekam eine Kupferhaube. Auch an die Entwässerungsvorrichtungen wurde gedacht. Saniert wurden darüber hinaus Fenster und Türe. Boden und Bänke mussten komplett erneuert werden. Restauriert wurden die Kreuzwegstationen (um 1800) sowie der Altar mit dem Motiv "Heilige Anna Selbdritt".

Es stellt Maria mit dem Jesuskind und Mutter Anna dar.

Altar aus Marktoberdorf

Er stammt aus dem Jahr 1670/80 und schmückte einst die Kapelle "Auf dem Rainen" in Marktoberdorf. Sie befand sich nördlich der Lindenallee nahe des Sailerkellers und befand sich im Besitz des letzten Oberdorfer Scharfrichters Wilm Kober. Auf Anraten des Geistlichen und mit Zustimmung von Kurfürst Clemens Wenzeslaus wurde sie 1804 abgerissen, "weil dort öfters junge Leute unter dem Vorwande des Wallfahrens zusammenkamen", wie es in der Dömling-Chronik heißt. Über einen Umweg über Buchloe kam der Altar 1829 als Schenkung der Kober-Töchter nach Weibletshofen.

Die Weibletshofener Kapellenglocke stammt aus dem Marktoberdorfer Schloss. Mit ihr wurde zu Zeiten des Kurfürsten der Dienerschaft zum Essen geläutet. Heute läutet sie zu Rosenkränzen, Maiandachten oder Gottesdiensten. Den Mesnerdienst, zu dem das Glockenläuten zählt, teilen sich die sechs Bauernhöfe abwechselnd.

Der Gottesdienst findet heute, Samstag, um 20 Uhr in der Kapelle statt. Anschließend treffen sich Dorfgemeinschaft und Gäste zum Grillfest.