Kunstfund Wiespfarrer Georg Kirchmeir entdeckt Gemälde von Maria Lory und Franz Dominikus Zimmermann - Sie werden jetzt von Manfred Sattler in Schwangau restauriert">

Artikel: Die Wies-Bäuerin und ihr Mann

30. September 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Kunstfund Wiespfarrer Georg Kirchmeir entdeckt Gemälde von Maria Lory und Franz Dominikus Zimmermann - Sie werden jetzt von Manfred Sattler in Schwangau restauriert

Von Philomena Willer |SchwangauZwei ganz erstaunliche Bilder, was den historischen und künstlerischen Wert angeht, sind zurzeit bei Restaurator Manfred Sattler in Arbeit. Es handelt sich um Gemälde der "Wies-Bäurin" Maria Lory und ihres zweiten Ehemanns Franz Dominikus Zimmermann (1714 - 1786), Sohn des Erbauers der Wieskirche, Dominikus Zimmermann. Wiespfarrer Georg Kirchmeir wurde wieder einmal fündig anlässlich des 100. Geburtstags einer Dame in Garmisch, die diese Schätze aufbewahrte. Nach der Restaurierung werden die Bilder im Wies-Museum zu sehen sein.

"Sie sind erstklassig und in sehr gutem originalen Zustand. Da war kein Freskant an der Arbeit, das war ein ausgebildeter Portraitmaler", sagt Manfred Sattler.

Maria Lory steht am Anfang der Wieswallfahrt. Sie hatte 1738 für die Übertragung der Figur des gegeißelten Heilands von Steingaden zum Bauernhof "in der Wies" gesorgt. Das "Tränenwunder" führte zur Errichtung der ersten Kapelle, der großen Wallfahrt und schließlich zum Bau der Wieskirche.

Maria, geborene Beer, stammte aus Urspring und heiratete 1722 den Bauern Johann Martin Lory. Sie brachte zwölf Kinder zur Welt. Auf dem von Kirchmeir vor einigen Jahren wieder aufgefundenen "Übertragungsbild" ist die Familie mitsamt dem Viehbestand zu sehen. Johann Lory starb im Jahre 1746.

Vier Jahre später, als die Kirche noch im Bau war, heiratete die Witwe den Sohn des Baumeisters Zimmermann. Franz Dominikus arbeitete als Stuckateur in der Werkstatt seines Vaters. Im Jahr davor, 1749, war das Gnadenbild in großer Prozession in den bereits fertigen Chor gebracht worden. Maria Lory waren noch 21 Jahre vergönnt.

Ein wohlhabendes Ehepaar

Baumeister Dominikus Zimmermann blieb bekanntlich auch nach der Fertigstellung bei seinem größten Werk und wohnte dort bis zu seinem Tod am 16. November 1766 mit 81 Jahren. Mit seiner Frau Therese, geborene Zöpf, hatte er drei Kinder.

Nach ihrem Tod 1752 verkaufte der Rat und Bürgermeister von Landsberg sein dortiges Haus und baute neben der Wieskirche, und neben der Familie des Sohnes ein neues, das "Zimmermann-Haus".

Die Bilder der Zimmermanns, die nun von Manfred Sattler restauriert werden, könnten um 1750 anlässlich der Hochzeit entstanden sein und zeigen ein wohlhabendes Ehepaar. Der Schmuck, die goldbestickte Haube, die elegante Kleidung mit feinem Spitzenbesatz weisen auf eine stolze Bürgerin hin. Sie zeigt ein großes Medaillon mit der Figur des Gegeißelten Heilands.

"Der Franz war wohl lieber Wirt als Künstler", meint auch Sattler zum wohlbestallten und wohlbeleibten Ehemann. Spätere Arbeiten sind von ihm nicht bekannt. Er trägt den braunen Sonntagsrock - aus feinem Tuch, mit Goldknöpfen besetzt - und zeigt seinen Ring. Die Rose in seiner Hand, wie auch Marias Brosche tauchen in zwei anderen später entstandenen Bildern auf, die ebenfalls in Sattlers Atelier sind.

Sie zeigen Marias Tochter mit ihrem Mann in reiferen Jahren. Die Tochter trägt die wohl ererbte Brosche und hat die Rose in der Hand. Dabei ist noch zu erforschen, ob die Symbolik der Rose darauf hindeutet, dass es sich um die älteste Tochter, Maria Magdalena (geboren 1727) handelt, auf die das Tränenwunder zurückgeht. Auch hat der Maler keine Signatur hinterlassen, all das können nur Forschungen über diesen spektakulären Fund klären.