Gesprächskonzert Manfred Dahmer spielt die Qin im Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz - Die chinesische Griffbrettzither verbindet Literatur, Philosophie und Kunst">

Artikel: Die Kultur Chinas - an einem Stück Holz verdichtet

10. September 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
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Gesprächskonzert Manfred Dahmer spielt die Qin im Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz - Die chinesische Griffbrettzither verbindet Literatur, Philosophie und Kunst

Von Regina Speiser |OpfenbachEin Deutscher, der sich mit einem 2500 Jahre alten Kulturträger Chinas beschäftigt und auch noch ein Buch darüber schreibt? - Für viele Chinesen wahrscheinlich ein unmöglicher Gedanke. Dennoch hat sich Manfred Dahmer aus Freiensteinau in diesem Bereich auch in der Volksrepublik einen Namen gemacht. Die Rede ist von der klassischen chinesischen Griffbrettzither, kurz, der Qin. Am kommenden Samstag lässt der 65-Jährige Interessierte bei einem Gesprächskonzert im Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz teilhaben.

Dieses Instrument zu beschreiben ist nicht ganz einfach, so die ehemalige Westallgäuerin Gisela Hildenbrand von der Medizinischen Gesellschaft für Qigong in Bonn. "Es handelt sich um zarte, einfache, karge Töne, die zum Teil sehr leise sind. Diese Musik will nicht auftrumpfen. Es ist Musik fürs Innere und zur Selbstkultivierung", versucht die Konzertorganisatorin zu erklären. Es werde ihr außerdem die Wirkung zugeschrieben, Harmonie und Frieden im Herzen zu schaffen.

Fest steht, dass beim Qin-Spiel Sprache, Philosophie und Musik miteinander verbunden werden sollen. Es ist also immer ein kulturelles Hintergrundwissen nötig, um diese Klangwelt zu verstehen, so Hildenbrand.

Daher auch die besondere Bezeichnung "Gesprächskonzert": Dahmer kombiniert sein Spiel auf der Qin mit Erläuterungen und Gedichten, die dieses außergewöhnliche Instrument, seine fremdartige Musik und ihre Bedeutung dem Zuhörer nahe bringen sollen.

Qin-Studium in China

Vor genau 30 Jahren machte sich der Musiker und Musikwissenschaftler auf, in das von der Kulturrevolution gezeichnete China. Bei seinem Sinologiestudium - das heißt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der chinesischen Sprache und Kultur - in Deutschland war er vermehrt auf den Begriff "Qin" gestoßen, ohne jemals dessen genaue Bedeutung herauszufinden. Rund zwei Jahre verbrachte er deshalb in Peking und Taiwan und studierte an der Zentralen Musikhochschule das fernöstliche Instrument.

Noch bevor die Qin 2003 von der UNESCO in die Liste des mündlichen und nichtmateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde, veröffentlichte Dahmer zwei Bücher, in denen er sich mit der Griffbrettzither selbst und der Übersetzung von chinesischen Gedichten beschäftigte. Zuhörer für sein außergewöhnliches Spiel fanden sich jedoch erst nach und nach.

Seit fünf Jahren gibt der 65-jährige Sinologe in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Konzerte, erzählt Hildenbrand stolz. Das Gesprächskonzert in Mellatz bildet den Höhepunkt des dortigen Vortrags- und Weiterbildungsprogramms der Organisation.

Natur und Kunst kombiniert

Das Qin-Spiel ist vom Grundgedanken der Gesundheitsübung Qigong sehr ähnlich, erklärt Hildenbrand. "Es geht darum, sich die Natur in die Kunst zu holen." Wie beim Qigong Naturphänomene mit dem Körper nachgeahmt werden, so ähneln die Griffe auf der Qin beispielsweise einem geduckten Panther oder einem einbeinigen Kranich.

Auch das Instrument selbst erinnert an die chinesische Liebe zu Symbolen: Während der Holzkasten oben abgerundet ist und damit den Himmel darstellt, ist die Unterseite flach wie die Erde. Dazwischen befinden sich die sieben Saiten, also die Musik.

So einfach das Ganze aussieht, so wichtig war die Qin in der Geschichte Chinas: "Jeder Kaiser, Dichter, Philosoph oder Gelehrter hat die Qin gespielt oder zumindest an der Wand hängen gehabt" (Hildenbrand). Dabei ging es nie um Musik für das große Publikum, sondern immer um einen Dialog unter Freunden, ein so genanntes "kulturelles Freundestreffen".

Das Konzert selbst soll einem solchen Treffen nahe kommen. Dabei verläuft es jedes Mal anders. Viele Besucher wollen daher das Qin-Spiel immer wieder hören und neu erleben, so Hildenbrand. "Man muss nicht gebildet sein, um diese Musik zu genießen, aber man muss gebildet sein, um sie zu vermitteln." Und letzteres versteht Dahmer als Sinologe und Musiker blendend.

Gesprächskonzert: Samstag, 13. September, um 19 Uhr im Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz