Haft Angeklagter nach Urteil im Sitzungssaal wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen">

Artikel: Die Geliebte über Jahre terrorisiert

9. Dezember 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Haft Angeklagter nach Urteil im Sitzungssaal wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen

Von Barbara Bestle |Kaufbeuren/FüssenEr hatte seine ehemalige Geliebte jahrelang eingeschüchtert und drangsaliert. Jetzt ist ein in Füssen lebender Albaner (38) vom Kaufbeurer Amtsgericht wegen Bedrohung, Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung sowie versuchter Nötigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Um zu verhindern, dass der Angeklagte das Opfer vor einer Berufungsverhandlung unter Druck setzt, erließ der Richter auf Antrag des Staatsanwalts einen Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr. Der Mann wurde noch im Sitzungssaal festgenommen.

In der Verhandlung hatte er sämtliche Vorwürfe bestritten und sich als Opfer eines privaten Rache-Feldzugs dargestellt: Seine Geliebte habe offenbar nicht verwunden, dass er sich von ihr getrennt und für seine Ehefrau entschieden habe. Der Richter glaubte allerdings nicht ihm, sondern der Geschädigten, die ein jahrelanges Martyrium mit Morddrohungen, Schlägen und Nachstellungen geschildert hatte. Der Angeklagte habe zudem immer wieder Geld von ihr verlangt und sich schließlich sogar Flugtickets für seine Frau und seine drei Kinder bezahlen lassen.

Auch wenn die finanziellen Transaktionen für den 38-Jährigen jetzt mangels konkreter Hinweise auf Erpressungen keine strafrechtlichen Folgen hatten, verwies der Staatsanwalt doch ausdrücklich darauf, dass der Mann die Zeugin "systematisch eingeschüchtert" und "abgezockt" habe.

Besonders negativ schlug beim Strafantrag und im Urteil ein Vorfall vom Winter 2003/2004 zu Buche. Damals hatte der Angeklagte die junge Frau laut ihrer Aussage während einer nächtlichen Autofahrt geschlagen und bei einem Fluchtversuch aus dem rollenden Fahrzeug geschoben. Als sie mit zwei gebrochenen Fingern auf der Straße lag, sei er ausgestiegen und habe auf sie eingetreten. Nach dem Vorfall habe er ihr verboten zum Arzt zu gehen, weshalb die Finger jetzt verkrüppelt seien.

Einer Freundin anvertraut

Die Schilderungen der Zeugin wurden von der Vermieterin ihrer besten Freundin gestützt, der sie sich heuer anvertraut hatte. Auch der neue Lebensgefährte des Opfers belastete den Angeklagten. Der junge Mann, der wie die Geschädigte aus Rumänien stammt, erklärte als Zeuge, der 38-Jährige habe wiederholt versucht, ihn unter Drohungen zur Ausreise zu nötigen. Auf die Frage, warum sie ihre polizeilichen Angaben später bei der Staatsanwaltschaft stark abgeschwächt hatte, erklärte die Geschädigte, der Angeklagte habe ihr eingeschärft gehabt, sie solle "nur schön über ihn reden."