"Bedrohen die weltweite Artenvielfalt": Deutscher Jagdverband fordert Melde- und Kastrationspflicht für freilaufende Katzen

28. August 2020 16:35 Uhr von Julian Hartmann
Verwilderte Hauskatzen schaden der globalen Artenvielfalt durch räuberisches Verhalten, Furchteffekte, Rivalität, Krankheiten und Kreuzungen.
Verwilderte Hauskatzen schaden der globalen Artenvielfalt durch räuberisches Verhalten, Furchteffekte, Rivalität, Krankheiten und Kreuzungen.
acebrand von Pixabay

Laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) bedrohen freilaufende Katzen die weltweite Artenvielfalt. Der Verband beruft sich dabei auf einen Artikel im People and Nature Journal, das von der British Ecological Society (BES) herausgegeben wird. 

Forderung des DJV: Melde- und Kastratsionspflicht für Katzen

Der Verband fordert daher bundesweit eine generelle Melde- und Kastratsionspflicht für Katzen nach dem Paderborner Modell. Dieses sieht vor, dass Katzenhalter*innen, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, die Katze vorher von einem Tierarzt kastrieren und mit einer Tätowierung oder einem Mikrochip kennzeichnen lassen müssen. Durch die Melde- und Kastratsionspflicht sollen unkontrollierte Fortpflanzungen der Katzen verhindert werden.  

Verwilderte Hauskatzen töten jährlich 400 Millionen Tiere

In ihrem Artikel verweist die BES darauf, dass verwilderte Hauskatzen Wildtiere weltweit auf verschiedene Weise bedrohen. Sie schaden der globalen Artenvielfalt durch räuberisches Verhalten, Furchteffekte, Rivalität, Krankheiten und Kreuzungen. Internationale Abkommen würden Regierungen dazu verpflichten, den Aktionsradius von Hauskatzen zu beschränken und verwilderte Katzen zu entfernen, so die Autoren. Viele Regierungen würden ihren Verpflichtungen jedoch nicht nachkommen.  Nach Hochrechnungen des DJVs fallen allein in Deutschland jedes Jahr mindestens 100 Millionen Vögel und 300 Millionen kleine Säugetiere und Reptilien verwilderten Hauskatzen zum Opfer.

Katze das beliebteste Haustier

Mit rund 14,8 Millionen Tieren ist die Katze hierzulande das beliebteste Haustier. Dazu kommen rund 2 Millionen Katzen, die herrenlos herumstreunen. Das große Problem besteht darin, dass sich Freigängerkatzen mit ihren verwilderten Artgenossen fortpflanzen und diese unbemerkt Junge zur Welt bringen. Durchschnittlich paaren sich Katzen nach Angaben des DJV zweimal im Jahr. Demnach überleben aus einem Wurf in freier Wildbahn etwa drei Junge. Einem linearen Rechenmodell zufolge hat ein verwildertes Hauskatzenpärchen in nur sieben Jahren etwa 420.000 Nachkommen. Die neue Generation Streuner sei sehr scheu, entziehe sich komplett dem Einfluss der Menschen und sei in den meisten Fällen nicht sozialisierbar, meint der DJV. "Das macht ein Aufenthalt im Tierheim oder eine Vermittlung an Tierfreunde kaum möglich."

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