Kempten: Den ländlichen Charakter von Lenzfried wahren

23. Januar 2009 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
rupert mayr

Bürgeranhörung - Anregungen zu geplanter Siedlung, aber keine grundsätzlichen Bedenken

Die zwölf Schützenstände im Lenzfrieder Vereineheim wurden zurückgefahren, und so bot sich Platz für die 100 Bürger, die zur Bürgerbeteiligung in Sachen Baugebietsentwurf in Lenzfried-Südost gekommen waren. "Schwere Geschütze" rhetorischer Art waren nicht zu hören, da das geplante Baugebiet mit 50 Wohneinheiten (wir berichteten) nicht grundsätzlich in Frage gestellt wurde und sich die Bürger "in einem sehr frühen Stadium" (Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter) einbezogen fühlten.

Gleichwohl machten mehrere Redner klar, dass der dörfliche Charakter Lenzfrieds nicht angetastet werden dürfe. So will man das Tagesgeläut der nahen Kirche auch weiterhin hören und Landwirtschaft müsse wie bisher möglich sein, hieß es. Lothar Thein vermisst sogar das "schöne Geläut der Kuhglocken. Früher warens mehr", sagte er bei der Veranstaltung.

Schlüter gab sich überzeugt, dass die geplante Bebauung "eine Bereicherung und keinen Schaden für Lenzfried" bedeute. Dazu trage laut Architekt Hubert Sieber die Gliederung mit 16 Einzelhäusern, 20 Reihenhäusern und 14 Doppelhaushälften bei. Natürlich gehöre ein Kinderspielplatz zum Konzept.

Bedenken gab es wegen einer Regensammelmulde und dem Oberflächenwasser. Dieses Wasser muss nach Auffassung der Fachleute wegen des lehmigen Bodens über einen Kanal in die Entwässerung der Lenzfrieder Straße eingebracht werden. Auch in puncto Denkmalschutz (ausreichend Abstand zur Klostermauer) oder Immissionsschutz sieht das Planungsbüro Sieber keine Probleme. Der Lärm vom Golfplatz und von der Autobahn halte sich in Grenzen, wenn, so einige Bürger, nicht gerade der Ostwind bläst. Im Falle einer eigenen Energieversorgung für das Baugebiet hat das benachbarte Autohaus bereits seine Mitarbeit in Aussicht gestellt.

Wie gehts weiter? Mario Dalla Torre (Vorstand BSG-Allgäu) erwartet nächsten Monat den Abschluss der Grundstücksverhandlungen. Anschließend könne die Erschließung angepackt und im Frühjahr 2010 mit dem Bau der ersten Häuser begonnen werden. Für Baureferentin Monika Beltinger dient die Bebauung der weiteren Stärkung des Stadtteils Lenzfried, der gut mit Infrastruktur ausgestattet sei.