Kultur Reaktionen auf den Vorstoß von Minister Heubisch, der attraktive Aktionen in den Kunsttempeln fordert">

Artikel: "Das Museum muss zu einer Bühne werden"

22. November 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Kultur Reaktionen auf den Vorstoß von Minister Heubisch, der attraktive Aktionen in den Kunsttempeln fordert

Von Teresa Winter |Memmingen/UnterallgäuReingehen, anfassen, mitmachen - unter diesem Motto fordert Bayerns neuer Wissenschafts- und Kunstminister Wolfgang Heubisch attraktivere Museen im Freistaat (wir berichteten). DieMZsprach mit Verantwortlichen hiesiger Museen darüber, was sie von Heubischs Vorstoß halten:

"Wir haben bereits Memmingens Museumslandschaft in den letzten 15 Jahren deutlich ausgebaut", sagt Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer. Ziel sei unter anderem gewesen, Inhalte der Ausstellungen mit der passenden Hülle in Zusammenhang zu bringen, also besondere Räume zu finden. "So zeigt die Ausstellung im Antonierhaus spätgotische Kunst in einem spätgotischen Gebäude." Und im barocken Hermansbau, in dem das Stadtmuseum untergebracht ist, sei schwerpunktmäßig barocke Malerei zu sehen.

Gleichzeitig müsse die Stadt nach Bayers Worten für die eigenen Bürger Anreize schaffen, Museen zu besuchen, nicht nur für Reisende.

"Denn wer schaut sich über einen längeren Zeitraum immer dieselben Ausstellungen an?", sagt Bayer und betont: "Ein Museum muss zu einer Bühne mit verschiedenen Veranstaltungen werden." Daher findet er den Vorschlag von Heubisch gut. Allerdings habe man in Memmingen die Idee der Mitmach-Museen bereits umgesetzt. "Aber diese Form der Ausstellungen hat Grenzen."

Neugier befriedigen

So habe es vor zwei Jahren in der Mewo Kunsthalle neben der Josef Madlener-Ausstellung einen Märchenwald mit echtem Laub und Tannenbäumen gegeben. Außerdem gebe es in der Kunsthalle Schubladen mit Grafiken, die die Besucher selbst öffnen müssen. "Diese Entdeckungen befriedigen die Neugier der Besucher", hat Bayer beobachtet. Dagegen könne gerade bei hochwertiger Kunst wie im Strigel-Museum nicht viel angefasst werden: "Hier ist Sicherheitsabstand gefragt.

" Denn grundsätzliche Aufgaben eines Museums seien, Kunst zu bewahren, zu pflegen und zu restaurieren.

Dem stimmt Dr. Otto Kettemann zu. Zugleich verweist der Leiter des Bauernhofmuseums in Illerbeuren auf die vielen Mitmach-Angebote für Kinder. Vom Brotbacken über Rollenspiele bis hin zu Naturbeobachtungen reiche die Palette. Überhaupt würden vielen Freilichtmuseen attraktive Aktionen für die ganze Familie bieten.

Daher sollte der neue Minister nach Kettemanns Meinung bei den Museen woanders ansetzen: "Die Rahmenbedigungen müssen einfach stimmen." So sollen Kinder laut Kettemann mehr Freizeit haben und nicht das ganze Wochenende lernen müssen. Außerdem sollte es Zuschüsse für Fahrten ins Museum mit öffentlichen Verkehrsmitteln geben.

Zudem komme es darauf an, was die Kinder mit nach Hause nehmen, und nicht darauf, wie oft sie ins Museum gehen. Abschließend merkt der Museumsleiter an: "Es gibt immer etwas, das man ändern kann, aber wenn wir nur noch Veranstaltungen machen, kommen die Leute nur noch, wenn etwas los ist."