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Artikel: 2,5 Millionen Euro für wohltätige Zwecke vererbt

28. Oktober 2008 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
anna kÖhl

Nachlass Bürger lassen ihr Geld in gemeinnützige Stiftungen fließen

Kempten | se | Wenn heutzutage jemand stirbt, ist dies für die Hinterbliebenen oft eine Kostenfrage. Ganz anders verhielt es sich zuletzt in zwei Fällen, die nun den Haupt- und Finanzausschuss beschäftigten: Rund zwei Millionen Euro hinterließ Dr. Renate Zorn der Stadt, 450000 Euro vermachte Guido Hausenberger "für wohltätige Zwecke." Die Summen fließen Stiftungen zu, auf dass die Erbschaften nachhaltig wirken sollen.

Beim Erbe von Dr. Renate Zorn drängte sich eine Lösung gerade zu auf: Die knapp zwei Millionen fließen als Zustiftung zum Grundstockvermögen in die Dr. Rudolf Zorn-Stiftung ein (bisher rund 36000 Euro). Renate Zorn war die Ehefrau des gebürtigen Kempteners Rudolf Zorn, der nach dem Krieg kurze Zeit Wirtschaftsminister und später Direktor des bayerischen Sparkassen- und Giroverbands war.

Der Förderung von Kunst und Kultur sowie der Erziehung, Bildung und Wissenschaft hatte der Sozialdemokrat sich verschrieben. Zur Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche wird jährlich ein Förderpreis ausgelobt. Außerdem gibt es Prämien für die besten Deutsch-Arbeiten am Carl-von-Linde-Gymnasium.

Mit der aktuellen Zustiftung soll jeweils der Finanzausschuss über die Verwendung der Erträge mitbestimmen, sagte der Leiter des Stiftungsamts, Helmut Dreher. Immerhin gehe es im Jahr 2008 um Zinseinnahmen in Höhe von rund 50000 Euro und Dividenden zwischen 15000 und 18000 Euro. Berücksichtigt werden müsse allerdings, dass das Grundstockvermögen zu erhalten ist - eine Zuführung aus dem Ertrag in Höhe des Inflationsausgleichs ist dafür nötig.

Junge Menschen fördern

Einen ungeahnten Aufschwung nimmt auch die Stipendienstiftung, deren Grundstockvermögen bisher bei rund 45000 Euro lag. Der Ausschuss begrüßte einhellig den Vorschlag der Verwaltung, die 450000 Euro aus dem Hausenbergerschen Nachlass in die Stiftung einzubringen.

Als Zweck wurde die Förderung der Aus- und Fortbildung junger Menschen insbesondere in der Phase zwischen Schule und Berufsleben festgesetzt. Guido Hausenberger stand 30 Jahre in Diensten der Stadt Kempten.

Erweitert wurde der Personenkreis, den die Ferdinand und Emma Merktsche Vetreanenstiftung begünstigen kann. Bisher ging es um Kriegsteilnehmer. Künftig können auch bedürftige Opfer von Gewaltanwendung und Menschen mit Behinderung aus den Stiftungserträgen gefördet werden. Auf Anregung von Oberst a.D. Helmut Hitscherich wurden auch Teilnehmer von Bundeswehreinsätzen in den Kreis potenzieller Unterstützungsempfänger aufgenommen.

Das Kapitalvermögen der Stiftung beläuft sich derzeit auf rund 78000 Euro. Forstwirtschaftliche Grundstücke mit einer Fläche von 16 Hektar gehören ebenfalls zum Vermögen.