Experiment mit Mikrowellen
Warum entschärfte "Eierhandgranate" trotzdem explodierte

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Redaktioneller Hinweis: Dies ist ein Heimatreporter-Beitrag. Er spiegelt die Meinung des Verfassers wider.

Sohn Felix experimentiert gerne beim Zubereiten von Speisen. Neulich meinte er, im www die ultimative Methode gefunden zu haben, die Frühstückseier nicht zu weich und nicht zu hart werden zu lassen. Doch dann gab er die Eier lediglich in einen Topf kochenden Wassers. Irgendeinem Influencer muss es gelungen sein, ihm, ein Kind der Generation "Handy", diese Steinzeitmethode als letzten Schrei weiszumachen. Üblicherweise garen wir Eier in einem Eierkocher mit heißem Wasserdampf und Zeitschaltuhr.

Als er die Eier servierte und seines zuerst öffnete, große Enttäuschung: das Eiweiß war noch schlabberig. Keiner von uns mag solche Eier, also wollte Felix es im Abfalleimer entsorgen. Dagegen erhob ich Einspruch und riet ihm, das Ei in der Mikrowelle fertig zu garen. Nein, meinte er, dann platzt es. Nein, meinte ich, du hast ja die Schale geöffnet, also kannst du es unbesorgt reintun, es kann sich ja kein Druck aufbauen. Gemeinsam beobachteten wir, wie sich das Ei über 30 Sekunden hinweg bei 600 W in der Mikrowelle verhielt. Erwartungsgemäß zerplatzte es nicht.

Als Felix es herausholte, stellte er jedoch überrascht ein fühlbares Blubbern im Inneren des Eis fest. Ich zuckte nur mit den Achseln und blieb in der Küche, Sohnemann setzte sich im Wohnzimmer an den Frühstückstisch, um das nachgegarte Ei zu verspeisen.

Zuerst hörte ich nur ein Geräusch, als ob ein Vogel gegen eine Fensterscheibe geflogen ist. Dann einen Ausruf des Erstaunens.

Was war passiert?

Als Felix das Ei auslöffeln wollte zerplatze es und verteilte sich in kleinen Krümeln auf schätzungsweise zwei Quadratmetern Tisch und Teppich, was in den beiden Fotos leider nur ansatzweise zu erkennen ist. Da ich mit Lichtgeschwindigkeit als Schuldiger für das Malheur ausgemacht wurde, musste ich kleinlaut die Krümel mit Besen und Schaufel zum Vergnügen der anderen zusammen kehren.

Wie aber konnte das Ei trotz geöffneter Schale dennoch so heftig zerplatzen?

Meine Erklärung: Mutmaßlich gerinnt das Eiweiß (in der Mikrowelle) vor dem Eigelb und schließt den Dotter mit einer elastischen Schale ein, in der sich Druck aufbauen kann. Der noch flüssige Dotter war die brodelnde "Magmakammer" des Eis, die wir beim Herausnehmen aus der Mikrowelle zwar bemerkt, aber nicht als Warnsignal erkannt haben. Der erste Stich mit dem Löffel öffnete die unter Druck stehende heiße "Magmakammer" und führte zu der Eruption.

Sollte diese Erklärung stimmen, wäre sie zugleich ein schönes Anschauungsbeispiel dafür, dass die spezifische Absorptionsrate (SAR) eines einwirkenden Funkfeldes stark gewebeabhängig ist. In unserem unfreiwilligen Experiment entzog das Eiweiß dem Mikrowellenfeld anscheinend mehr Energie als der Dotter, gerann deshalb früher und kapselte den flüssigen Dotter explosionsgefährdend ab. Üblicherweise (Erhitzung im Dampf- oder Wasserbad) passiert dies nicht, da Eigelb bei etwa 10 °C niedrigerer Temperatur gerinnt als Eiweiß (Quelle).

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