Oberstdorf
Bürger gegen Mobilfunkmast

In der Hofeinfahrt hat sich ein Kreis von 25 Menschen gebildet. Es wird rege diskutiert. «Bevor der Mast aufgestellt wurde, konnte ich ruhig schlafen», sagt Brigitte Ketzscher. Sie habe auch schon ihr Haus isoliert. Geholfen habe es nichts.«Wenn ich vier Wochen weg bin, schlafe ich viel ruhiger», bestätigt Elfriede Math. Das Problem, das die beiden Oberstdorferinnen beschäftigt, steht auf dem mehrstöckigen Haus gegenüber. Auf dem privaten Wohngebäude in der Naglergasse ist seit 16 Jahren ein Mobilfunkmast. Schon damals hatten Anwohner gegen die Anlage gekämpft.

«Wir sind bis in die höchsten Instanzen gegangen», sagt Brigitte Schatt. «Was übrig blieb, war Häme und Spott.» Jetzt hat sich wieder eine Bürgerinitiative von Menschen gebildet, die gesundheitsschädigende Folgen in der unmittelbaren Nachbarschaft befürchten. Anlass sind Arbeiten an dem Mobilfunkmast. Eine modernere Anlage könne stärkere Strahlung zur Folge haben, befürchten Anwohner. «Wir wollen wissen, was da passiert», fordert Udo Siebert. «Wir erwarten uns Informationen von der Verwaltung.»

Bürgermeister Laurent Mies hat die Anwohner in einem Schreiben informiert, dass es sich bei den Arbeiten um Vorbereitungen für den Tausch von älterer gegen neuere UMTS-Technik handle. Das ergab eine Nachfrage der Kommune beim Mobilfunkunternehmen. «Nach unseren Informationen erfolgen nur Wartungsarbeiten», sagt Max Schedler vom Ordnungsamt.

«Am Mast werden keine Veränderungen vorgenommen. Darüber hinaus habe die Kommune keinen Handlungsspielraum, so Schedler. «Der Mast ist baugenehmigungsfrei.»

Keine Genehmigung notwendig

Anlagen, die zehn Meter Höhe nicht überschreiten, brauchen keine Genehmigung, erklärt Ulrich Härle vom Landratsamt. Der Betreiber des Mobilfunkmastes benötige aber eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur. Die werde dem Landratsamt vorgelegt. Bei dem Verfahren wird überprüft, dass die von den Funkanlagen ausgehenden Feldstärken nicht die Personenschutzgrenzwerte überschreiten.

Das befriedigt die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht, da die gesetzlich festgelegten Grenzwerte nicht ausreichten. «Wieso werden Mobilfunkmasten nicht auf Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser gebaut, wenn die Strahlung nicht die Gesundheit gefährdet», sagt Lidwina von Löwis. «Aber bei uns im Wohngebiet kann man ihn aufstellen.»

Viele der Menschen, die in der Naglergasse stehen, sind Vermieter. Der Mobilfunkmast in unmittelbarer Umgebung sei geschäftsschädigend, sagt Elfriede Math. «Der Mast vor der Nase stört unsere Gäste, die sich in Oberstdorf erholen wollen.» Jetzt will die Bürgerinitiative eine Messung in Auftrag geben, um die Belastung nachzuweisen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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