Kaufbeuren / Neugablonz
Schritte zur Versöhnung

Die Städtepartnerschaft von Kaufbeuren mit Jablonec nad Nisou, dem früheren Gablonz an der Neiße, als Signal für Versöhnung und Neuanfang ist auf einem guten Weg. Darüber sind sich Petr Tulpa, Oberbürgermeister der tschechischen Stadt, und sein Kaufbeurer Amtskollege Stefan Bosse einig. Zu einem Arbeitsbesuch in Kaufbeuren hatten Tulpa und eine achtköpfige Delegation den Entwurf für ein Partnerschaftsabkommen mitgebracht. Geplant ist, dass beim Gegenbesuch der Vertrag feierlich unterzeichnet wird.

Sinn und Zweck des Vertrags sieht Tulpa darin, «die Freundschaft zwischen den Bürgern beider Städte zu vertiefen und vor allem zu einer nicht formellen Zusammenarbeit auf dem Niveau von Einzelpersonen und Vereinen anzuregen». Lasten der Vergangenheit ließen sich «durch gemeinsame Bemühungen um eine positive Zukunft überwinden».

Gegenbesuch im Herbst

Bei einem Pressegespräch im «Café am Fünfknopfturm» erklärte Tulpa, dass man sich nach mehreren Treffen beider Oberbürgermeister nunmehr in Arbeitsgruppen begegne. Im Juli solle das Vertragswerk dem Stadtrat von Jablonec vorgestellt werden. «Wir nehmen an, dass unsere Freunde im September oder Oktober nach Jablonec kommen. Dort könnten wir den Vertrag unterschreiben», so Tulpa.

Angesprochen auf die kürzlich von Bernd Posselt, Europa-Abgeordneter und Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, erhobene Forderung nach einem «sudetendeutschen Außenministerium» meinte er, man sei nicht gekommen, «um die Vergangenheit zu sezieren, sondern um die Zukunft zu gestalten». Sein Partner sei nicht Posselt, sondern die Stadt Kaufbeuren mit dem Stadtteil Neugablonz. Die Arbeitsgruppe sei so zusammengestellt worden, dass die stärksten politischen Parteien darin vertreten seien. Er gehe von einer Mehrheit im Stadtrat seiner Heimatstadt für den Vertrag aus.

Später im Gablonzer Haus erklärte Bosse, diesem Besuch liege eine Übereinkunft zwischen beiden Oberbürgermeistern zugrunde. Das Kennenlernen solle hier und auch in Gablonz erfolgen. Bei den Zusammenkünften sollen die offenen Fragen wie «auch die wunden Punkte» thematisiert werden. Den Textentwurf «sehen wir als unproblematisch an». Er sei sicher, «dass wir die Zustimmung im Stadtrat dafür bekommen und dass wir diese Partnerschaftserklärung mit Gablonz schließen». Beabsichtigt sei die Unterzeichnung im Oktober in der Neiße-Stadt.

Dr. Thomas Jahn, Betreuer des Gablonzer Heimatkreises, räumte ein, es gebe «bestimmte Sensibilitäten im Umgang miteinander». Er betonte, die «Generation der Nachgeborenen ist aufgerufen, in gemeinsamer Art und Weise der Völkerverständigung von Frieden und Freiheit in die Zukunft zu schauen». Bei den Treffen solle «die große Politik draußen bleiben. Das Wichtigste ist, dass die Menschen zusammen kommen».

Bürgermeister Ernst Holy, zugleich Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Kaufbeuren, freute sich über die «ausgewogen zusammengestellte Delegation» aus Gablonz. Die Gespräche bezeichnete er als positiv. «Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten erkannt.»

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