Memmingen
Bitterböser Sarkasmus

«Wer die Geschichte nicht begreift, soll die Zukunft nicht in seine Wurstfinger nehmen!», meint Heinrich Pachl. Daher hat sich der Mann aus dem «süd-östlichen Nordrhein-Westfalen», derzeitige «Wohn-Haft in Köln» (mit Betonung auf «Haft») einer Mission verschrieben: Er möchte mit dem aktuellen Programm «Spur der Scheine» sein Publikum aufklären über wirtschafts- und gesellschaftspolitische Zusammenhänge, die für Otto-Normalbürger nicht immer auf Anhieb durchschaubar sind.

Und so setzt Pachl mit scharfsinnigen Wortspielen, beißender Ironie und bitterbösem Sarkasmus zu einem über zweistündigen Rundumschlag an, vor dem kein Wirtschaftsfunktionär, kein Politiker sicher ist. Außer unsere Bundeskanzlerin. Denn: «Ich mache keine Merkel-Witze. Die werden schnell frauenfeindlich. Das liegt aber nicht an den Witzen.» Trotzdem bekommt die «ehemalige Agit-Prop-Funktionärin der FDJ aus der Uckermark der ehemalige «Tätärä» im Verlaufe des Abends ebenso ihr Fett weg wie Ober-Geldverbrenner Josef Ackermann und seine Zunft. «Die Krise entstand doch nur, weil sich die Banker sagen: So blöd bin ich nicht mehr, dass ich einer Bank vertraue, die mir vertraut!» Oder Augsburgs Bischof Mixa: «Bei dem Schwachsinn, den er von sich gibt, müsste der eigentlich umgekehrt heißen - Maxi!»

Obwohl sich der Mann aus der Domstadt bemüht, ähnlich dem Gießkannenprinzip seinen Spott gleichmäßig über die Parteienlandschaft zu verteilen, dabei «FDP» schon mal als «Freiheit den Palästen» interpretiert, lieber «ein grünes Haus als die Grünen im Haus» hat und über «Klassenkrämpfe» oder «Opel- statt Kinderpatenschaften» schwadroniert: Die «Spezialdemokraten» haben es ihm besonders angetan. Schließlich boten sie in den letzten 20 Jahren mit ihrer SPD («Sozial-Populistischer Demagogie») und der Maxime «Gleiche Ungerechtigkeit für alle!» reichlich Angriffsfläche. Da avancieren dann in Pachls Opfer-Liste die «hellen Hessen» («Von Metzger verwurstet - vom Koch in die Pfanne gehauen») fast zu Statisten. Aber trotzdem: «Ein gebrochenes Versprechen ist nun mal ein gesprochenes Verbrechen.»

Messerscharfe Pointen

Nur anfangs, in der ersten halben Stunde, scheint der monologisierende Gesellschaftsanalytiker noch seine Linie zu suchen: Da hätte sich der Zuhörer oft etwas mehr Zeit gewünscht, die fast im Sekundentakt auf ihn niederprasselnden messerscharfen Pointen wirken zu lassen. Doch mit zunehmender Dauer der Vorstellung läuft Pachl zu Hochform im «Scheibenwischer»-Format auf.

Süffisant weiß er selbst auf Memminger Lokalpolitik anzuspielen: «Ich war informiert, wusste aber von nichts - das ist das Motto des Kölschen Klüngels. So was kennen Sie ja aber hier nicht » In diesem Fall gibt das Publikum Pachl begeistert Unrecht - das einzige Mal an diesem Abend.

Programm Bis zum 22. März stehen noch acht Vorstellungen auf dem Programm der 6. Memminger Kabarett-Tage. Ausführliche Infos im Internet unter www.mm-kabarett-tage.de>

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