• 13. März 2008, 00:00 Uhr
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Seelenleben vor Heimatlandschaft

Pfronten | mar | Einige Monate lang fühlten sich die Pfrontener 2004 und 2005 häufig beobachtet. Überall, wo im Ort etwas los war, war ein junger Mann mit Videokamera dabei. Im April 2005 stellte er zum Finale in Weißbach ein Autobahnschild auf mit der Aufschrift 'Du solltest dankbar sein.' Michael Würfel war aus Berlin noch einmal für sieben Monate in den Ort seiner Kindheit gezogen, die Kamera im Gepäck. Die Aufnahmen hat er mittlerweile zu einem Dokumentarfilm verarbeitet. 'Schnee von Gestern - mein Heimatfilm' heißt er und hat am Mittwoch, 19. März, Vorpremiere im Pfarrheim in Pfronten-Ried.

'Wenn es richtig persönlich ist, dann wird es universell', erklärt Würfel, warum sich im Film viele ganz persönliche Erfahrungen und Begegnungen wiederfinden, aber keine der kommunalpolitischen Veranstaltungen, die er ebenfalls mit der Kamera besucht hatte. Die ihm teilweise fremd gewordene Heimat wird zum Hintergrund für sein Seelenleben. Das allgemein Menschliche wird zum Thema. 'Schnee von Gestern' ist keine Dokumentation über die Entwicklung Pfrontens seit Würfels Kindheit.

Zutiefst berührt

Dokumentiert wird sein Erleben, die wechselhafte Entwicklung seines Heimatgefühls, angesichts von Begegnungen, die ihn zutiefst berühren. Die künstliche Beschneiung von Skipisten, das Planieren von Forstwegen, der Bau der Autobahn und vor allem, dass sich damit scheinbar alle einfach abfinden, gibt seinem zart aufkeimendem Heimatgefühl einen herben Dämpfer. Ausgerechnet vor der Kulisse des Schalengge-Rennens bei traumhaftem Winterwetter erreicht es seinen Tiefstpunkt. 'Ich gehöre nicht hierher. Meine Heimat braucht mich nicht', sagt Würfel. Am Ende findet der Streifen aber noch zu einem versöhnlichen Schluss.

'Ich habe schon ein bisschen Angst', beschreibt Würfel seine Gefühlslage vor der Vorpremiere. Schließlich sei wohl so manche Szene für die Pfrontener nicht so einfach zu verkraften. 'Ich bitte sie, das mit Augenzwinkern zusehen und wünsche mir ihre Offenheit, sich darauf einzulassen.'

Ins Programm eines Festivals

Für die eigentliche Premiere hofft Würfel, dass sein Film ins Programm eines Festivals aufgenommen wird. Das nächste ist im April in schweizerischen Nyon, im Mai folgt München. Die weitere Verwertung seines Films hängt davon ab, ob ihm das gelingt und mit welchem Erfolg. Seine Träume gehen schon weiter: 'Ich würde gerne noch eine englischsprachige Fassung machen', so Würfel. Damit wäre endgültig dokumentiert, dass das ganz Persönliche der Weg zum Universellen ist.

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