Körperverletzung
Tödlicher Streit auf Füssener Theresienbrücke: Gewalttäter (30) zu Haftstrafe verurteilt

Es war eine ebenso grundlose, wie massive Attacke, die einen der beiden Angreifer das Leben kostete und den anderen jetzt auf die Anklagebank des Kaufbeurer Amtsgerichts brachte: Zwei in Füssen wohnende Italiener (30 und 33) waren in einer Aprilnacht auf der Theresienbrücke auf einen 48-jährigen Passanten losgegangen und hatte diesen zusammengeschlagen.

Der Mann rappelte sich auf und .

Der 30-jährige Mittäter rettete sich ans Ufer und musste sich jetzt wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er war weitgehend geständig und wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Der Vorfall hatte in Füssen für Aufsehen gesorgt und war laut Zeugenaussagen wie folgt abgelaufen: Der Angeklagte und sein Freund waren damals auf einer Zechtour gewesen und hatten gegen Mitternacht in der Nähe der Theresienbrücke noch eine Kneipe aufsuchen wollen. Diese hatte allerdings am fraglichen Abend geschlossen. Als sie von einem zufällig vorbeikommenden Passanten darauf aufmerksam gemacht wurden, rasteten sie unvermittelt aus und gingen auf den 48-Jährigen los.

Eine Anwohnerin, die das Ganze von ihrem Schlafzimmerfenster aus beobachtet hatte, war 'entsetzt über diese Gewaltbereitschaft' und alarmierte sofort die Polizei. Die beiden Angreifer waren dem Passanten auf die Brücke gefolgt und hatten ihn gegen das Geländer gedrängt. Dann schlug ihm der 33-Jährige eine Bierflasche über den Kopf.

Anschließend traktierten beide Männer ihr Opfer mit Schlägen und Tritten - auch als der Geschädigte bereits am Boden lag. Er erlitt unter anderem eine Platzwunde am Kopf, eine Gehirnerschütterung und eine Rippenprellung. Vor Gericht erinnerte er sich jetzt an seine Gedanken während der Attacke: 'Ich dachte: Oh Mann, jetzt stirbst du auf einer Füssener Brücke.'

Der Staatsanwalt hatte im Plädoyer keine Zweifel, dass der Mann damals 'Angst um sein Leben hatte' und die Angreifer deshalb in Notwehr in den Lech warf - mit 'tragischem Ausgang' für den Älteren der beiden. Wie berichtet, war gegen den Passanten zunächst wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt ermittelt worden. Die Vorwürfe wurden aber fallen gelassen. Auch die Richterin ging davon aus, dass sich der Geschädigte 'nicht mehr anders zu helfen wusste'.

Der Angeklagte konnte sich jetzt wegen seiner damaligen Alkoholisierung - eine Blutprobe ergab einen Wert von rund 2,3 Promille - an keine Details mehr erinnern. Er war aber grundsätzlich geständig und entschuldigte sich per Handschlag beim Geschädigten, der dies akzeptierte. Der Verteidiger verwies im Plädoyer darauf, dass sein Mandant bei dem Vorfall 'einen Freund verloren' habe, dessen Schicksal ihm auch hätte widerfahren können. Der Anwalt hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für vertretbar.

Einschlägig vorbestraft

Angesichts von zwei einschlägigen Vorstrafen und einer 'hohen Rückfallgeschwindigkeit' kam dies weder für die Richterin noch für den Staatsanwalt in Betracht. Der Anklagevertreter machte im Plädoyer keinen Hehl aus seiner grundsätzlichen Einschätzung und sagte: 'Der Angeklagte ist ein notorischer Schläger!'

Die letzte Eintragung im Strafregister des jungen Mannes war erst einen Monat vor der Attacke auf der Theresienbrücke erfolgt. Dazwischen lag auch noch eine handgreifliche Auseinandersetzung mit dem später gestorbenen Zechkumpanen. Die Kneipentour in der Nacht des Vorfalls hatte offenbar die Versöhnung der zwei jungen Männer besiegeln sollen.

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