• 30. Juli 2014, 16:04 Uhr
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Brauchtum
Festwochentauglich gekleidet: Zu Besuch beim Lederhosenmacher in Oberstdorf

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(Foto: rta.design)

Mitten im Herzen von Oberstdorf, im Obergeschoß des Fachgeschäfts Leder Eberhart, liegt die Meisterwerkstatt von Jodok Krumbacher. Der typische Geruch von Leder liegt in der Luft. Mehrere Nähmaschinen stehen auf der linken Seite, zwei Arbeitsflächen bieten Platz zum Aufzeichnen von Schnitt- oder Stickmustern, zum Bügeln und Handnähen. In einem Regal stapeln sich beigefarbene, graue, braune und schwarze Lederfelle.

Jodok Krumbacher ist Herrenschneider, nennt seinen Beruf auch "Säckler". Er fertigt in seiner Manufaktur Lederbekleidung nach Maß. In mehreren Arbeitsschritten in liebevoller Detailarbeit entstehen hier neben anderen Maßanfertigungen vor allem traditionelle Lederhosen-Modelle, die Allgäuer Trachtenbundhose und die kurze Lederhose mit Stickerei.

Schon seit 30 Jahren und in alter Familientradition arbeitet Jodok Krumbacher im außergewöhnlichen Beruf des Säcklers. "Schon der Opa und die Tante waren Säckler – wir arbeiten also bereits in der dritten Generation", erzählt er stolz.

An seiner Arbeit gefällt Jodok Krumbacher vor allem der Umgang mit dem Leder als Naturmaterial. Er vergleicht es mit der Arbeit mit Holz. "Jedes Stück Leder ist anders, hat eine andere Dicke oder Farbe. Man muss jedes Stück ganz individuell bearbeiten", sagt er. "Der Beruf ist zwar eine Rarität, doch vor allem aus alten, traditionsreichen Säckler-Familien steigen auch heutzutage immer noch Jugendliche in den Beruf ein." Deswegen macht sich Jodok Krumbacher auch keine Sorgen darüber, dass das Handwerk einmal aussterben könnte.

Die traditionelle Allgäuer Trachtenlederhose ist laut Jodok Krumbacher kurz, schwarz und aus sämisch gegerbtem Hirschleder. Dieses wertvolle Material fühlt sich auf der Haut angenehm weich an und ist dabei absolut pflegeleicht. Eigentlich sei es wie die Haut, man müsse die Hose "nur mal abwaschen." Sichtbare Außennähte, Handknopflöcher an Latzbund und Gesäßtasche und aufwendige Eichenblatt-Handstickereien zieren das wertvolle Kleidungsstück.

"Die traditionelle Stickerei ist das Zwei-, Drei- oder Vier-Laub", erklärt Jodok Krumbacher, je nachdem wie viele Blätter das Zierelement aufweist. Auf der Messertasche, die in der Regel rechts am Hosenbein sitzt, ist entweder ebenfalls eine Blattstickerei oder ein Monogramm aufgebracht. Je nach Ortszugehörigkeit und Säckler-Tradition vor Ort unterscheidet sich dabei die Farbe der Stickerei. "Wir in Oberstdorf sticken in Moosgrün, im Allgäu sieht man aber auch manchmal Stickereien in Gelb. Das kommt ganz darauf an, woher die Tracht stammt", sagt er. Gestickt wird nicht in Jodok Krumbachers Werkstatt selbst, doch es bleibt sein Geheimnis, wer diesen Arbeitsschritt für ihn übernimmt. "Gute Sticker zu finden ist nämlich nicht einfach", schmunzelt er.

Zusammen mit einem weißen Hemd, Edelweißhosenträgern, grauen Trachtenstrümpfen, schwarzen Bundschuhen und einem grauen Kerntuchjanker ergibt die Lederhose die traditionelle Allgäuer Gebirgstracht. Laut Jodok Krumbacher sind es vor allem jüngere Kunden, die vermehrt traditionelle Lederhosen nachfragen. "Die Jungen sind zum Teil traditionsbewusster als manch ein älterer Kunde", lacht er. Der Trend geht jedoch weg von den kurzen Hosen, hin zu etwas längeren Schnitten.

Dabei ist sich Jodok Krumbacher bewusst, dass er vor allem preislich nicht mit Lederhosen von der Stange mithalten kann. Modeerscheinungen, wie etwa bunte Lederhosen, lassen ihn eher unbeeindruckt. Was für ihn zählt, ist Qualität und die Verbundenheit zu Tradition und Heimat. Die Handarbeit, aber auch deren Robustheit rechtfertigen den hohen Preis einer maßgefertigten Lederhose. Je nach Aufwand und Stickerei benötigt der Säckler etwa ein bis zwei Tage pro Hose, die dann jedoch ein Leben lang halten kann. "Wenn man nicht rauswächst, hält sie ewig. Manche vererben ihre Hose sogar weiter", sagt er. Da lohnen sich die 750 Euro (Minimum), die solch ein Handwerkskunstwerk kostet.

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