
Herrlich gelegen war die Jagdhütte von Andreas Ruepp, erster Vorsitzender der Kreisgruppe Memmingen e. V. des Landesjagdverbandes Bayern, an diesem Montagvormittag Klassenzimmer und Spielplatz in einem. Nachdem aus dem „echten“ Jagdhorn von Hans von Keutz das ebenso „echte“ Jagdsignal „Sammeln der Jäger“ erklungen war, nahmen die kleinen Abenteurer im Freiluftklassenzimmer Platz. Drei Infoblöcke standen auf dem Programm von „Lernort Natur“, das von Spielpausen aufgelockert wurden. „Die ersten beiden Blöcke behandeln Ökosystem und Lebensgemeinschaft Wald“, erläutert Ruepp. Im dritten Teil gehe es um die Jagd. Kind gerecht aufbereitet sollen diese Informationen Verständnis für die Bedeutung des Waldes und die Aufgaben des Jägers wecken. Speziell geschult bieten die Jäger damit ehrenamtlich die Möglichkeit, die Natur mit allen Sinnen und unter kompetenter Anleitung zu erleben.
Tasten und fühlen
Klar, im Wald waren die Kinder alle schon mal. Aber – „warum brauchen wir den Wald überhaupt“, fragt Ruepp. Für Luft und Wasser, Feuer, Papier und Möbel lauten die Antworten. Dass es Nadel- und Laubbäume gibt, ist natürlich bekannt. Aber wer kann die verschiedenen Bäume mit verbundenen Augen erfühlen oder riechen? Der Unterschied zwischen der „pieksende“ Fichte und der „weniger pieksenden“ Tanne war schnell gefunden, aber bei Douglasie und Linde war die Bestimmung schon etwas schwieriger. Leichter fiel dann wiederum die Altersbestimmung des Baumes: Gemeinsam wurden lautstark die Jahresringe gezählt. „Ein dicker Jahresring bedeutet, dass der Baum in diesem Jahr viel gewachsen ist“, erklärt Ruepp. Und warum werfen die Laubbäume im Winter ihre Blätter ab? „Damit sie nicht frieren, denn in den Spitzen sitzt das Wasser“, erklärt Ruepp, bevor er sein gespannt lauschendes Publikum in die erste Spiel- und Brotzeitpause entlässt. Danach drehte sich alles um die Tiere des Waldes, die Ruepp anhand der mitgebrachten Präparate vorstellte. „Mit seinen langen Krallen kann der Dachs gut graben und aus den Wildschweinborsten werden zum Beispiel Rasierpinsel gefertigt.“ Die nachaktiven Mäusejäger Eule und Uhu erkannten die Kinder sofort. „Sie können lautlos fliegen, was ganz toll für die Jagd ist“, so Ruepp. Besonders viel Spaß machte der dritte Teil „Jagd“. Gejagt wird wegen des Fleisches, das wuss-ten die kleinen Waldbesucher. Dass auch der Schutz des Waldes vor zu vielen Rehen Grund für die Jagd ist, war hin-gegen neu. Nachdem gemeinsam der In- halt des Jagdrucksacks unter die Lupe genommen wurde, war es endlich soweit: Jagdhund Boris hatte seinen Auftritt. „Warum habe ich Boris auf der Jagd dabei“, fragte Ruepp in die Runde. Weil er schnell ist, gut hört und riecht, weil er die Fährte aufnimmt und den Jäger beschützt – Eigenschaf-ten, die Boris beim Apportieren eines Kaninchens gleich zum Besten geben konnte. „Bei diesem Projekttag können die Kinder ihren natürlichen Erkundungs- und Bewe- gungsdrang voll ausleben“, freut sich Ruepp über den gelungenen Vormittag. Auf spielerische Wei- se entdeckten die fünf- und sechsjährigen Vorschulkinder „ihren“ Wald, lauschten gespannt den Informationen und tobten sich voller Begeisterung in der Natur aus. Die Kombination aus Spiel und Lernen macht den Lernort Natur aus.