Bereits 2007 gehört die ehemalige Schülerin des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren zu den Gründern der Jugendgruppe „Die Salzstreuer“. Diese steht überparteilich für die Demokratie, gegen Rechtsextremismus und das Vergessen der NS-Verbrechen ein. „Dadurch habe ich immer wieder von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gehört und mich letztlich dort beworben“, erklärt die 19-Jährige.
Warum Coventry?
Für Coventry habe sie sich aufgrund des politischen und religiösen Hintergrundes entschieden. „Außerdem wollte ich in ein Land, dessen Sprache ich auch beherrsche“, erklärt Felicitas Weileder.
Nachdem sie sich nach dem Abitur intensiv auf das Friedensjahr vorbereitet hat, geht es am 2. Sptember auf in Richtung einer der „hässlichsten Städte Englands“, so diverse Reiseführer. Bevor die Freiwillige aber ihr Domizil erreicht, macht sie noch Station in Krakau (Polen), Cudham und London (England), wo sie letzte Instruktionen für das Friedensjahr bekommt.
Endlich angekommen
In Coventry angekommen, bezieht sie mit zwei weiteren Freiwilligen, Kat Brealey (England) und Carrie Staab (USA), die Dewis Lodge, ein kleines Haus unterhalb der Kathedrale. Die St. Michael‘s Cathedral wurde bei einem Angriff durch die deutsche Luftwaffe im November 1940 fast vollständig zerstört. Im Folgenden errichtete man zwei Kreuze: das „Charred Cross“ und ein Nagelkreuz. Zudem wurden die Worte „father forgive“ (engl. Vater vergib) in den Altarraum eingemeiselt, die zeigen sollten, dass alle vor Gott gesündigt haben und nicht nur die Deutschen. Aus dem Nagelkreuz entwickelte sich ein international anerkanntes Symbol für die christliche Botschaft und Versöhnung: die Nagelkreuzgemeinschaft. Die neue Kathedrale von Coventry wurde 1962 eingeweiht.
Mit einem Gebet in den Tag starten
Felicitas Weileder arbeitet nun für die Nagelkreuzgemeinschaft sowie die Kathedrale von Coventry. „Die Arbeit beginne ich stets um 8.30 Uhr mit dem Morgengebet“, erzählt die Kaufbeurerin. Anschließend pflegt sie unter anderem Kontakte mit den Partnern der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland und kümmert sich um die Facebook-Seite sowie den Twitteraccount. Zudem betreut Felicitas Weileder Schulen, die die alte oder neue Kathedrale sowie das Museum über den Zweiten Weltkrieg besuchen möchten. Auch an den Planungen zum 50-jährigen Jubiläum der neuen Kathedrale ist sie beteiligt.
„Noch habe ich ja ein gutes halbes Jahr vor mir, aber zurückblickend kann ich sagen, dass mich der Friedensdienst bereits verändert hat“, erklärt Felicitas Weileder. So habe sich auf jeden Fall ihre Sicht auf die Dinge verändert. Zudem möchte sie sich weiterhin für Versöhnung und Frieden einsetzen.
Wer mehr über die Nagelkreuzgemeinschaft erfahren möchte, kann sich unter www.nagelkreuzgemeinschaft.de informieren.