
Als wir dort ankommen hellt sich die Wetterlage auf. Ein Indiz dafür, dass die Seebühne einem besonderen Binnenklima ausgesetzt ist. Zwischen See und Berg kann sich das Wetter schnell ändern. Ein gewisses Restrisiko bleibt aber immer bei Open-Air-Veranstaltungen. Wir sind für alle Fälle gut gerüstet, bepackt mit Sitzkissen, Decke und Regenjacke, denn Schirme sind hier aus verständlichen Gründen verpönt. „Der See wird unsere Bühne sein“ hatte Bühnenbildner Paul Brown zu Beginn der Vorbereitungsarbeiten vor gut zwei Jahren prophezeit und ein grandioses Bühnenbild kreiert das schwimmt. Und bisweilen sinkt es sogar auch. Heute mehr als sonst, denn es hat so kurz vor Beginn (gegen 21 Uhr) schon wieder leicht zu regnen begonnen. Jede Aufführung der Aida soll dadurch anders aussehen, weil sie vom Wind, vom Wasser und von den Wellen abhängig ist. Eine große Herausforderung für die Darsteller, die sonst übliche Bühne für sie wird sie zur Wirklichkeit. „Ich will, dass die Menschen die Oper lieben“, war Browns Anspruch. Damit meinte er nicht das Opernhaus, oder das „in die Oper gehen”, sondern diese Kunstform selbst. Die besondere Atmosphäre hier in Bregenz, das Wetter, die Reisebusse, die Schiffe, die hier anlegen, die vielen Plastikregenmäntel und die 7000 Besucher pro Abend. Rund 400 Personen sind während der Aufführung vor und hinter der Bühne beschäftigt. Jede Hauptrolle ist dreifach besetzt, um die Stimmen zu schonen. Das Spiel beginnt. Heute Abend singt Indra Thomas die Aida. Sie ist im Begriff sich als eine der wichtigsten Sopranstimmen der Welt zu etablieren. Auf vielen der weltgrößten Opernhäusern und Bühnen stand sie bereits, einschließlich der New Yorker Met. Ihre Gegenspielerin Amneris, die in den gleichen Mann verschossen ist, wird gesungen von Guang Yang (Mezzosopran). Für sie es fast ein Heimspiel, denn sie trat bereits als Leonore in Il Travatore bei den Bregenzer Festspielen auf. Der Typ, um den sich beide streiten, heißt Ramades, ist Feldherr und wird dargestellt von Philip Webb. Eine Rolle, die im liegt, denn der Tenor sang sie bereits an der Portland Opera. Die Wiener Symphoniker mit Chefdirigent Fabio Luisi sind verantwortlich für den weitaus größten Teil des symphonischen Musiklebens im Lande und hinter der Bühne der Bregenzer Festspiele. Die zwei Stunden Spielzeit vergehen wie im Fluge, denn es gibt immer wieder neues zu entdecken bei dieser grandiosen Ins-zenierung.
2011 André Chénier
Für diese Saison endet die Festspielzeit am 22. August und so muss sich derjenige beeilen, der Aida auf der Seebühne noch mal ansehen möchte. Im nächsten Jahr bringen die Macher der Bregenzer Festspiele die Revolutionsoper „André Chénier“ auf die Bühne am See. Man darf also gespannt sein, mit wie viel technischen Finessen und gesanglichem Glamour diese Inszenierung ausfallen wird. Mehr Infos dazu im Internet unter www.bregenzerfestspiele.com