
Und sie verraten eine Menge über ein Talent, das diese Saison trotz vieler Veränderungen seinen Platz gefunden hat. Bald 60 Spiele hat Simon in den vergangenen fünf Monaten absolviert – so viel wie kein anderer seiner Teamkollegen.
Das macht im Schnitt rund drei Spiele pro Wochenende. Zumal der junge Allgäuer ein wahrer Pendler zwischen den Ligen ist: Er ist sowohl beim Nachwuchs in der Deutschen Nachwuchsliga als auch in der Oberliga im Einsatz und ist dort inzwischen eine wichtige Größe. „Das war so nicht unbedingt abzusehen“, verrät ein fast unermüdlicher Kämpfer bei einem Treffen.
Völlig ohne Spuren sind die vielen Spiele auch an Simon Sezemsky nicht vorbeigegangen. „Am Montag komme ich immer kaum die Treppen bei der Arbeit hoch, und so viele Stufen sind das auch wieder nicht“, sagt Simon, der mit Beginn dieser Saison in der Fachklinik Enzensberg eine Ausbildung zum Bürokaufmann begonnen hat.
Mit der typischen Montagsmüdigkeit aber hat das wenig zu tun. Im Gegenteil. „Ich habe einen super Arbeitgeber und tolle Kollegen“, betont Simon. Wenngleich er nach einem Wochenende zumeist Rede und Antwort stehen muss, denn viele der Kollegen gehen regelmäßig ins Eishockey – und haben auch im Stadion ein Auge auf ihren Auszubildenden.
Den Kollegen ist dabei sicher nicht entgangen, dass ihr Schützling zuletzt selbst auf dem Eis in eine neue Rolle wachsen musste: Aus dem einstigen Stürmer ist nun ein Verteidiger geworden, zudem noch ein ganz guter. Kaum auf der ungewohnten Position angekommen, berief das Magazin Eishockey News den neuen Defensivspieler in ihr Team der Woche. „Das habe ich als Stürmer nicht geschafft,“ grinst Simon.
Dabei hatte er selber wohl nie gedacht, umfunktioniert zu werden. „Das haben sich die Trainer so ausgedacht, weil wir viele Verletzte und Ausfälle in der Defensive hatten.“ Die Umstellung hat sich für Simon allemal gelohnt: „Ich habe dadurch super viel Eiszeit“, freut er sich. In einem Spiel waren es über 25 Minuten. Das ist ordentlich für einen Spieler, der auch noch für den Nachwuchs aufläuft. Doch Simon hat inzwischen gelernt, zu regenerieren.
„Der Körper ist da wie ein Kühlschrank: Du kannst nicht immer nur rausnehmen. Man muss auch wieder was hineinstellen.“ Deshalb steht am trainingsfreien Montag häufiger auch ein Besuch in einer Therme an – den Akku auffüllen. Mehr Freizeit bleibt während einer solchen Saison nicht. „Die nicht vorhandene Freizeit verbringe ich mit schlafen“, sagt Simon und erinnert sich zurück.
„Ich musste als kleiner Junge früher immer einen Mittagsschlaf machen, wenn ich mit meinen Eltern am Abend ins Eishockey wollte. Heute würde ich das sofort machen“, erzählt Simon. Doch trotz der kräftezehrenden Doppelbelastung hat der junge Verteidiger die Nase noch lange nicht voll. „Wir haben noch viel vor: Vielleicht schaffen wir es mit beiden Teams in die Play- offs.“
Wie viele Spiele er dann absolviert hätte, ist nicht zu sagen. Simon Sezemsky ist es egal: Er wird vermutlich auch jetzt nicht mitzählen.