
„Alles lief so gut wie man es sonst nur träumen kann. Es war fantastisch. Besser geht es eigentlich nicht“, freut sich der gebürtige Franke, der seit September in Kempten eine Ausbilung zum Ergotherapeuten macht.
Zum sechsten Mal in Folge wurde er Weltmeister und verbesserte seinen eigenen Weltrekord auf 208,91 Punkte. Beinahe spielerisch meisterte er 30 Übungen in exakt fünf Minuten – darunter Höchstwertungen wie den Sprung aus dem Stand im Sattel auf den Lenker, im Fachjargon „Mauthe-Übung“ genannt.
Damit behielt Schnabel einmal mehr die Oberhand gegen Florian Blab aus Ailingen, der mit 205,17 Punkten zum fünften Mal WM-Zweiter wurde. Schnabel gelang es auf den Punkt genau seine Leistung abzurufen. „Ich kann im Wettkampf 110 Prozent geben“, führt er den Sieg auf seine mentale Stärke zurück.
Großen Anteil am Erfolg hätte auch der rührige Radsportverein Kottern. Vorsitzender Roland Eisenhauer (61) hatte in den vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit Schnabel ausreichend trainieren konnte. „Ansonsten wäre diese Leistung nicht möglich gewesen“, sagt Schnabel. Zudem habe ihm Eisenhauer als erfahrener Kampfrichter Tipps gegeben. „Er hat viele Feinheiten gesehen. Auf diese Anregungen bin ich angewiesen, sonst ist es schwer, sich zu verbessern“, sagt der alte und neue Weltmeister.
Die Bedingungen in Kagoshima seien hervorragend gewesen. Allerdings seien zum Finale nur knapp 2000 Besucher gekommen. „Die WM wurde zuschauermäßig wie erwartet nicht die große Nummer. Aber sie war perfekt organisiert“, sagte Schnabel.
Sorge vor der Einreise nach Japan hatte er acht Monate nach der Atomkatastrophe von Fukushima nicht. „Der WM-Ort lag 1300 Kilometer davon entfernt.“
Kunstradfahren wird in 25 Nationen betrieben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Tschechien und Frankreich hat die nicht-olympische Disziplin die meisten Anhänger. Beim Bund Deutscher Radfahrer sind 10 000 Kunstradfahrer registriert. Viele von ihnen verfolgten Schnabels Auftritt via Live-Übertragung im Internet.
Reich wird der überlegene Weltmeister, der bis zur Heim-WM im nächsten Jahr in Aschaffenburg weitermachen will, dadurch freilich nicht. Statt dessen steht für ihn ab sofort wieder die Ausbildung im Vordergrund: Heute schreibt er eine Klausur über die Grundlagen der Ergotherapie. Dann dürfte erneut volle Konzentration gefragt sein.