Die lieb gewonnene Tradition schien zunächst zu kippen. «Mein Bruder hatte keine Zeit, und alleine war mir das alles zu aufwendig», erzählt Kohler. Mit dem Auto zu teuer, ein Flug kam nicht infrage und die Bahn auch nicht (lediglich zurück ging es mit dem Zug). «Warum also nicht mit dem Fahrrad fahren?», fragte sich der Germaringer. Aus einem flüchtigen Gedanken wurde ein Plan.
Zehn Tage hatte er für die Fahrt eingeplant, inklusive eineinhalb Tagen Ruhepause. Auf dem ersten Teil der Strecke wurde Kohler noch von einem Arbeitskollegen begleitet. Über Aalen, durch das Taubertal und am Main entlang ging es nach Koblenz, dann durch das Rheintal über Neuss nach Mönchengladbach. Im Schnitt rund 120 Kilometer pro Tag. «Die Strecke ist wunderschön, es gibt viel zu sehen», erzählt er. Gepäck hatte Kohler nur das nötigste dabei. Für jedes Kilo zu viel, meint er, müsse man mehr in die Pedale strampeln. Und das koste wertvolle Kraft.
Nur eine Panne erlitten
Das Glück hatte er während der Tour auf seiner Seite: Zum einen wegen des Wetters, denn gerade einmal drei Stunden habe es insgesamt geregnet. Zum anderen blieb er fast komplett von Pannen verschont. Nur ein einziges Mal musste er einen ungeplanten Stopp einlegen, als eine Speiche zu Bruch ging.
«Ich bin dann nach einem Tipp in einer Werkstatt gelandet, in der ein Schalke- und ein Gladbach-Fan mein Rad wieder repariert haben», erzählt er. Im Stadion selbst bekam Kohler dann auch noch den verdienten Lohn für die Strapazen des Ausflugs: Sein Lieblingsverein schlug den VfL Wolfsburg mit 4:1 und stürmte nach 16 Jahren wieder einmal an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga.
Aber auch die 830 Kilometer lange Strecke hat bleibende Eindrücke hinterlassen. Vor allem die Freundlichkeit der Menschen in den Städten und Orten entlang der Route habe ihn beeindruckt. Sie seien stets hilfsbereit gewesen, unterstützten Kohler bei der Hotelwahl und auf der Suche nach dem richtigen Weg, mancher lud den Ostallgäuer sogar auf eine Tasse Kaffee ein.
In ein paar Jahren will er den Ausflug wiederholen, gemeinsam mit Frau und Tochter. Der Einjährigen hat er schließlich schon kurz nach der Geburt die Gladbacher Fan-Tradition in die Wiege gelegt. Kohler: «Als ich damals aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen bin, habe ich für sie sofort die Mitgliedschaft beantragt.»