Sie kann es kaum erwarten, sich diesen Samstag beim Rennen in Pfronten-Kappel wieder ins Getümmel zu stürzen.Außer Vorfreude schleicht sich aber langsam ein anderes Gefühl mit ein: "Ich bin schon ein wenig nervös", gesteht sie.
Seit drei Jahren braust sie mit ihrer Teamkollegin Clara Geiger im Dirndl und mit Gamaschen auf einem Hornerschlitten die Piste hinunter. Das Gerät ist ein Nachbau der alten Allgäuer Heu- und Holztransportschlitten mit knapp zwei Meter Länge.
Die meisten Teilnehmer sind Männer – und das nicht ohne Grund. Denn: „Ganz ungefährlich ist es nicht“, gibt Marcella zu. „Man ist jedes Jahr froh, wenn man unten ist und nichts passiert ist.“ Das Team hatte bisher immer Glück. „Letztes Jahr haben wir die erste Kurve und den Sprung gut gemeistert“, erinnert sie sich. Aber in der letzten Kurve sei es brenzlig geworden.
„Fast wären wir gegen die Bande gefahren, aber wir haben es noch geschafft – und haben gewonnen“, erzählt die Vorjahressiegerin stolz lächelnd.
„Schalengger“ aus Tradition
Wie Marcella Sauer – damals knapp über dem Mindestalter von 16 Jahren – das erste Mal auf die Idee kam, teilzunehmen? „Bei uns ist es Familientradition, da denkt man nicht lang drüber nach, ob man als Mädchen auch mitmacht oder nicht.“
Jedes Jahr haben sie den gleichen Ablauf: Marcellas Großmutter Hanne Allgayer, Vorsitzende des Kappeler Schalengger Vereins, kümmert sich um die Anmeldungen der Verwandten. Und am Faschingssamstag selbst treffen sich alle Teilnehmer der Familie zum Weißwurstfrühstück vor dem Rennen.
„Das ist einfach so, da muss nicht lange geplant werden.“
Tiefe Wurzeln des Rennens
Marcellas Platz auf dem Schlitten ist dieses Jahr hinten – sie hat den Auftrag zu bremsen, falls nötig. „Clara sitzt vorne, sie lenkt den Schalengge.“ 14 Cousins sowie Cousinen der Kauffrau für Tourismus und Freizeit sind auch in diesem Jahr dabei.
Die Wurzeln der Veranstaltung liegen tief: „Es geht weder ums Gewinnen noch ausschließlich um Gaudi und Party – sondern darum, alte Bräuche im Bewusstsein der Einheimischen zu halten und einfach einen schönen Tag zu haben“, sagt Marcella ernst. Und deswegen freut sich das Team zwar unbändig auf das Rennen, saß dieses Jahr bisher aber noch nicht auf dem Schlitten.