Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

29.03.2012 · Kempten

H.P. Baxxter von der Gruppe Scooter ist ein Mann der Gegensätze

Wenn er auf der Bühne steht, flippt er aus – Andererseits schwört er auf Traditionen und studierte einst Jura

Konzert · Gleich mal vorweg: Wenn das Unternehmen „Scooter“ im Rahmen seiner „Big Mash Up Tour“ am Montag die riesigen Lastwagen am Seiteneingang der Big Box Allgäu in Kempten zum Abladen in Position bringt und danach die Bandmitglieder auf die Bühne steigen, um ihre aufwendige und glamouröse Show abzuziehen, sollte man als Besucher bzw. Zuhörer auf jeden Fall gute Nerven mitbringen, einen einigermaßen gesunden und strapazierfähigen Magen, womöglich auch ein kleines Set an Ohropax.

H.P. Baxxter von der Gruppe Scooter ist ein Mann der Gegensätze
Bild: oze bl (APA)
Es wird laut werden und ein Abend mit massiven Bässen und schrillen und mächtigen Tönen. Das liebt alleine schon H.P. Baxxter, der Frontman dieser Electro-Gruppe. Wie hat er mal sinngemäß auf die Frage nach dem schönsten Geräusch in seinen Ohren geantwortet?

Wenn er zu einem Club fahre, auf dem Parkplatz dort aus dem Auto steige und vom Inneren des Club-Gebäudes den Bass so laut höre, dass er meine, das Dach des Hauses fliege gleich weg, dann sei das quasi schöne Musik in seinen Ohren: „Und ich will da unbedingt gleich rein.“

H.P. Baxxter. Er ist der Chef dieser Gruppe, deren Auszeichnungen nicht von schlechten Eltern sind: über 30 Millionen verkaufte Tonträger, über 80 Gold- und Platin-Schallplatten. Baxxter ist auch der Sänger von Scooter, die vom Auftritt aus Leipzig ins Allgäu reisen und danach gleich weiter fahren nach Zürich.

anzeige

Das mit dem Singen ist bei Baxxter allerdings so eine Sache. Definiert man singen damit, dass die menschliche Stimme eine Melodie nachahmt, wie man das von einem Instrument gewohnt ist, kann man ihn nicht unbedingt als Sänger bezeichnen. Was er macht, ist Befehle ins Mikrofon zu schreien. Im Englischen gibt es dafür den Ausdruck des Shouters.

Der 46-Jährige ist irgendwie ein wilder Hund. Ein Mann auch der Gegensätze. Steht er auf der Bühne, ist er wie entfesselt. Gestikuliert, brüllt und streckt die Arme zum Himmel, als wolle er sagen: „Hey Leute, ich bin der Größte.“ Schwer vorstellbar, dass H.P. Baxxter, der eigentlich Hans Peter Geerdes heißt, nach dem Abitur damit begann, Rechtswissenschaften zu studieren. Oder dass er Traditionen mag.

Alte Möbel auch. Und dass er am liebsten in einem Hotel wohnt, wenn er in Berlin ist, das mit ganz klassischem Mobiliar eingerichtet ist. Nur weil er so etwas möge, solle man aber bitte nicht automatisch daraus folgern, dass er altmodisch sei, stellt er klar. Und angepasst schon gleich zweimal nicht.

Ziemlich früh merkte er, dass er womöglich ein bisschen anders tickt, als seine Freunde aus der Nachbarschaft. In Niedersachsen, dicht an der niederländischen Grenze, wuchs er in einer Stadt mit knapp 35 000 Einwohnern auf. Alles überschaubar, alles eingrenzt.

„Nicht unbedingt meine Welt“, gesteht der Künstler, der schon mit 14 Jahren in einer Schülerband Gitarre spielte. Nach der Schule kehrte er der Heimat den Rücken. Heute lebt er in Hamburg, der zweitgrößten Stadt dieses Landes. Besser wäre als Wohnort eigentlich Berlin, sagt er.

Die größte deutsche Stadt. Na ja, überlegt Baxxter dann. Vielleicht ist es doch gut so, wie es momentan ist. Hamburg sei irgendwie ruhiger und gesetzter als Berlin, „das gefällt mir.“ Wieder so eine überraschende Antwort vom blonden Rebell.

Die Band Scooter ist am Montag, 2. April (20 Uhr), in der Big Box in Kempten zu Gast. Karten gibt es bei den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

anzeige
Ihre Meinung
Artikelinfos
AutorFreddy Schissler
Veröffentlichung29.03.2012
Aktualisierung16.04.2013 12:53
Ort Kempten
Schlagwörtergruppe, mann, konzert, leute, publikum
anzeige

anzeige