Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

22.01.2013 · Kaufbeuren / Memmingen

Stadion baufällig: Tausende ESVK Fans reisen zu "Heimspielen"

Wochenende · "Hier regiert der ESV!" Sie brüllen, schimpfen und trommeln. Sie feiern bei Siegen und trauern bei Niederlagen - fiebern mit und treiben die Mannschaft an. Sie sind die Seele des Vereins - Die Fans des ESV Kaufbeuren. Wir haben sie beim 6:4-"Heimsieg" des ESVK in Memmingen mit der Videokamera begleitet.

Rückblick: 14. Dezember 2012 - ein harter Schlag für den Eissportverein Kaufbeuren. Die Sparkassen-Arena, das Heimstadion des ESVK, muss schließen. Experten befürchten, die 44 Jahre alte Konstruktion könne einstürzen. Bis heute darf niemand das Stadion betreten - ans Eishockey-Spielen ist natürlich nicht zu denken.

"Das war's. Das ist das Ende vom Verein", war das erste, was Stefan "Humpa" Kleinheinz nach der Stadion-Schließung durch den Kopf ging. "Es war fast zum Plärren", erzählt der Vorstand der Wertachbären, dem ältesten Fanclub des ESVK. "Kein Eishockey mehr in Kaufbeuren." Ohne die Einnahmen aus den Heimspielen und der Gastronomie würde der Verein es schwer haben.

Und dabei hält sich der Club (zwischenzeitlich "Kaufbeuer Adler") schon seit 67 Jahren über Wasser, überstand eine Insolvenz in der Spielzeit 1997/98 und erreichte letzte Saison trotz niedrigen Etats das Viertelfinale der 2. Bundesliga.

"Der Traditionsverein darf nicht sterben"

Die Reaktion auf das mögliche Aus? Trotz statt Resignation! Sowohl der Verein als auch die Fans finden sich nicht mit ihrem Schicksal ab und tun alles dafür, dass der Verein weiter bestehen kann. "Der Zusammenhalt momentan ist einfach gigantisch. Jeder will helfen, jeder will etwas tun. So etwas habe ich noch nicht erlebt", erklärt der 26-jährige "Humpa". Schon mit sieben Jahren war er Fan vom ESV Kaufbeuren und mittlerweile sind die Joker mehr als ein Sportverein für ihn - sie sind Teil seines Lebens: "Die Situation momentan ist schlimm, aber es macht mich stolz, wie sehr wir jetzt zusammen stehen".

Diese Unterstützung der Fans ist jetzt auch bitter nötig. Denn nachdem die Mannschaft "im eigenen Wohnzimmer" nicht mehr spielen kann, tragen die Joker die geplanten "Heimspiele" in geeigneten Stadien in der Region aus. Für die ESV-Fans heißt das: Sie müssen nicht nur zu Auswärtsspielen nach Hannover oder Dresden reisen, sondern auch zu den eigenen Heimspielen nach Kempten, Landsberg oder Memmingen.

"Nur der ESV!"

ESVK - Ravensburg
Bild: Mathias Wild
"Es ist einfach ein Heidenaufwand," sagt "Humpa". Neben seinem Vollzeit-Job organisiert er gemeinsam mit dem Fanbeauftragen des ESVK Philippe Bader die Busfahrten der ESVK-Allgäu-Tour. "Meine Freundin rebelliert schon immer, wenn ich wieder unterwegs bin", erzählt er verschmitzt. "Aber der ESV braucht uns jetzt. Mehr als je zuvor."

Und so steht "Humpa" natürlich auch im Memminger Stadion gegen die Towerstars aus Ravensburg im Fanblock. Mit Trommel bewaffnet und bald heiserer Kehle feuert er "seinen" ESVK an. Mit Erfolg - die Joker gewinnen in der ausverkauften Arena (3612 Zuschauer) mit 6:4. "Wahnsinn, was hier heute los war! Die Stimmung war teilweise besser als bei den echten Heimspielen."

Rund 2000 Kaufbeurer Fans waren mit ihm in Memmingen und sogar die gegnerischen Fans unterstützen den ESVK: "Die Ravensburger helfen uns, die Hütte voll zu machen, und auch gegen Schwenningen (Gestern 1:4 in Kempten) erwarten wir viele Auswärts-Fans."

So gut die "Auswärtsspiele daheim" in der Region auch ankommen - ein Dauerzustand kann das natürlich nicht sein. "Wir Fans hoffen einfach, dass der Verein das durchsteht", erzählt "Humpa". In sechs bis acht Wochen soll es laut Christian Demel, Pressesprecher beim ESV Kaufbeuren, neue Informationen zur Sparkassen Arena geben. Bis dahin müssen die Kaufbeurer weiter zusammenhalten und die Stadien im Allgäu "regieren".


anzeige
Ihre Meinung
Artikelinfos
AutorStephan Michalik
Veröffentlichung22.01.2013
Aktualisierung30.10.2013 22:47
Ort Kaufbeuren / Memmingen
Schlagwörteresv kaufbeuren, heimspiel, eisstadion, fans, wochenende, video
anzeige

anzeige