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17.01.2014 · Allgäu

Nach Weltbild-Pleite: Kann der lokale Buchhandel überleben?

Lesen · Seit vergangenem Freitag ist klar: Der Weltbild-Verlag ist insolvent. Der Umsatz sank, die Prognosen waren schlecht und auch die katholische Kirche will kein Geld mehr investieren. Nach Suhrkamp ist das die zweite Pleite eines Traditionsverlags innerhalb eines halben Jahres.

Und es scheint fast so, als könne man mit Büchern kaum mehr Geld verdienen. „Doch, das geht noch immer“, sagt Johanna Glas. Sie führt seit fast 20 Jahren die Buchhandlung Glas in Marktoberdorf und sieht den Buchmarkt als Herausforderung.

Eigentlich sind die Vorzeichen für Buchhändler denkbar schlecht. Immer wieder gibt es Negativmeldungen aus der Branche, der Gesamtumsatz, der deutschlandweit mit Büchern erzielt wird, sinkt. Und die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon scheint überwältigend.

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Bild: Stephan Michalik

Trotzdem: Johanna Glas sieht gute Überlebenschancen für ihre Buchhandlung. Mit der romantisch verklärten Vorstellung des „Buchladens um die Ecke“ hat das allerdings nicht viel zu tun. Spricht Johanna Glas über ihr Geschäft, geht es kaum um Bücher. Mehr um Strategie, um Marktentwicklung, um Kundenakquise. „Man muss mit der Zeit gehen“, sagt die 68-Jährige. „Die Situation ist natürlich anders als vor 20 Jahren. Da war der Buchladen vor Ort noch die Einkaufsquelle schlechthin.“

Heute, sagt sie, müsse man sich an den Markt anpassen und Serviceleistungen bieten, die die Konkurrenz nicht erfüllen könne. Viele kleine Buchhändler, die in den letzten Jahren schließen mussten, hätten „zu wenig wirtschaftlich gedacht“, meint Johanna Glas.

Zum Buch gibt es Gebäck

So bietet die Buchhandlung Glas kleine Leseecken in ihren Verkaufsräumen an. Gemütliche Ruhe-Oasen, in die sich die Kunden zurückziehen können - Kaffee, Gebäck und Pralinen inklusive. ‚Entschleunigung’ für den Leser, die gern genutzt wird. Gleichzeitig muss es aber auch schnell gehen: „Wer bei uns bis sechs Uhr Abends ein Buch bestellt, kann das am nächsten Morgen abholen“, sagt Johanna Glas. Oder liefern lassen, versandkostenfrei, nach ganz Deutschland.

Nach Weltbild-Pleite: Kann der lokale Buchhandel überleben?
Bild: Stephan Michalik

„Man muss als lokaler Buchhändler zu einer Marke werden“, sagt Johanna Glas und kreiert diese auch mit Veranstaltungen. Jeden Freitag findet in der Buchhandlung von 19 bis 23 Uhr das Event „Einschließen und Genießen“ statt. Vier Stunden lang können zwölf Freunde in der Buchhandlung schmökern, stöbern und das Buffet genießen. Schon heute ist die Veranstaltungsreihe bis September 2014 ausgebucht.

Der wichtigste Punkt in ihrem Konzept ist für die Buchhändlerin aber der direkte Kundenkontakt: „Wir können auf die individuellen Wünsche der Leser eingehen und uns um unsere Kunden kümmern.“ Deshalb, so die 69-Jährige, hätten besonders inhabergeführte Buchläden, also Einzelunternehmen ohne Bindung an Konzerne, eine gute Chance, auf dem Markt zu bestehen. „Und das ist unheimlich wichtig. Bücher gehören zur Kultur und Kultur gehört zum Leben. Das müssen wir schützen“.

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Artikelinfos
AutorStephan Michalik
Quelleall-in.de
Veröffentlichung17.01.2014
Ort Allgäu
Schlagwörterbuch, handel, lesen, erziehung
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