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15.11.2013 · Kaufbeuren

Kaufbeurer auf dem Tänzelfest getötet: Benefizkonzert am heutigen Samstag

Reportage · In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli wurde ein 34-jähriger Kaufbeurer Spätaussiedler auf dem Tänzelfest durch einen einzigen Schlag gegen den Kopf getötet. Der mutmaßliche Täter: Ein 36 Jahre alter Arbeiter aus Thüringen, vorbestraft unter anderem wegen rechtsmotivierter Straftaten. Allgäuer Künstler wollen nun Geld für die Familie des Opfers sammeln. Der 34-Jährige war verheiratet und Vater von zwei Kindern.

"Was hier passiert ist, ist eine Tragödie", sagt der Kaufbeurer Oberbürgermeister Stefan Bosse tief betroffen, als wir ihn auf dem Tänzelfestplatz treffen. Lange schon sind die Schausteller vom "Rummelplatz" verschwunden, das Festzelt wurde abgebaut. Nur ein Blumengesteck erinnert daran, was hier vor vier Monaten passiert ist. Genau hier, auf einem der beliebtesten Volksfeste der Region, wurde ein Mann totgeschlagen.

Es ist Mittwoch, der 17. Juli 2013. Hunderte Kinder und Erwachsene feiern wie jedes Jahr das Tänzelfest in Kaufbeuren. Die Fahrgeschäfte auf dem Tänzelfestplatz sind gut besucht, im Festzelt spielt der Musikverein "Harmonie Oberbeuren". Mit unter den Besuchern sind auch Arbeiter aus Thüringen, die gerade für ein Unternehmen in der Region tätig sind. Im Bierzelt geraten sie mit Russlanddeutschen in Streit - die Polizei muss eingreifen und trennt die Gruppen. "Im Auseinandergehen", sagt Oberbürgermeister Bosse, "hat einer dieser Beteiligten wahllos auf einen Umstehenden eingeschlagen und ihn dabei offenbar so unglücklich getroffen, dass er gestorben ist."

Laut Staatsanwalt Gunter Schatz erlitt das Opfer eine "Hirnblutung, ausgelöst durch eine Rotationsbewegung". Dr. Ernst Fronheiser, Chirurg und Ringarzt beim Bayerischen Amateur-Box-Verband, erklärt dazu: "Dabei kommt es durch einen Schlag oder Stoß an den Kopf zu einer plötzlichen Quer-, Längsbeschleunigung mit Abscherung von Blutgefäßen an Knochenkanten an der Schädelbasis beziehungsweise zu Zerreißungen von eventuell vorgeschädigten Gefäßen."

"Wir müssen etwas machen"

Stephan "Doc Fetzer" Schmidt
Bild: Michalik

Dem Kaufbeurer Musiker Stephan Schmidt alias Doc Fetzer war schon kurz nach der Tat klar, dass er "etwas machen muss". Er gründete die Facebook-Gruppe "Kaufbeuren ruckt zsamma" mit dem Ziel, Geld für die Familie des Opfers zu sammeln. Und war überwältigt vom Zuspruch: "Die Bands haben uns die Bude eingerannt, die ZEPpelinhalle hat sich als Location angeboten und eine Menge Menschen helfen mit", sagt der Musiker.

Gemeinsam mit über 100 ehrenamtlichen Helfern und Musikern findet nun am heutigen Samstag, den 7. Dezember, das Benefizfestival in der ZEPpelinhalle in Kaufbeuren statt. Der Erlös geht direkt an die Familie des Opfers. Das Datum, den 7. Dezember, hat der Musiker Doc Fetzer bewusst gewählt: "In der Anfangs-Euphorie ist sehr viel passiert, was ich auch gut finde. Aber ich wollte das Thema nochmal zu einem späteren Zeitpunkt in die Köpfe der Menschen bringen." Das Thema: Gewalt und auch rechte Gewalt, so Fetzer.

Obwohl der Tatverdächtige unter anderem wegen rechtsmotivierter Straftaten vorbestraft ist, dementiert seine Verteidigerin eine rechtsradikale Gesinnung ihres Mandanten: "Tatsächlich gehört mein Mandant weder der rechtsradikalen Szene an, noch teilt er deren Ansichten. Im Gegenteil: Mein Mandant war als Heranwachsender Opfer eines rechtsradikalen Angriffs, bei dem er erheblich verletzt wurde. Seine politischen Ansichten tendieren eher in Richtung links." Möglicherweise könne die Hauptverhandlung die Motive des Verdächtigen klären, sagt Staatsanwalt Gunther Schatz.

Witwe froh über die Unterstützung

Jetzt, sagt Oberbürgermeister Stefan Bosse, zähle zunächst die Unterstützung für die Familie. "Ich stehe im engen Kontakt mit der Witwe und trotz diesem schrecklichen Vorfall möchte sie weiter in Kaubeuren wohnen bleiben. Über die Wärme der Menschen hier und über die Unterstützung ist sie sehr froh und sie freut sich auch auf das Benefizkonzert."

Ein Benefizkonzert, das mit der A llgäuer Mundart-Reggae-Band LOSAMOL  noch mal an Zugkraft gewonnen hat: "Dass LOSAMOL mitmacht, freut mich natürlich sehr. Aber wir haben auch noch viele andere tolle Künstler auf der Bühne", sagt Doc Fetzer. Mit einem eigens für das Konzert gegründeten Ritterorden will er auch in Zukunft Bedürftigen helfen.

Für das Tänzelfest im nächsten Jahr wünscht sich der Musiker übrigens keine Änderungen. "Für mich als Christ gibt es eine Zeit zu trauen und eine Zeit, das Leben zu feiern. Und so soll auch das nächste Tänzelfest fröhlich werden." Mit "Rummelplatz". Mit Umzug und Musik im Festzelt. Und vielleicht einem kleinen Blumengesteck, mitten auf dem Tänzelfestplatz.


Weitere Informationen über den Fall:

In unserem Dossier berichten wir über den Fall und führen Hintergrund-Interviews mit der Staatsanwaltschaft, der Verteidigerin des Verdächtigen und den Headlinern des Benefiz-Konzerts, der Allgäuer Mundart-Reggae-Band LOSAMOL.

Karten für das Benefizkonzert erhalten Sie in den Service-Centern der Allgäuer Zeitung in Kaufbeuren Marktoberdorf und Buchloe.


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Artikelinfos
AutorStephan Michalik
Quelleall-in.de
Veröffentlichung15.11.2013
Aktualisierung07.12.2013 08:25
Ort Kaufbeuren
Schlagwörterunglück, trauer, hilfe, benefizkonzert, tänzelfest, reportage, video
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