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27.01.2012 · Ottobeuren/Erkheim

Das Aus für den Hochwasserschutz im Unterallgäu

Was passiert nach Erkheims "Nein" zum Günztalprojekt?

Wochenende · Das Geld vom Freistaat futsch, die Tür zum Wasserwirtschaftsamt fürs Erste geschlossen. Nach sieben Jahren Planung, ist das Projekt an der Günz jetzt gestorben. Wie soll es nach dem Erkheimer Bürgerentscheid gegen den Hochwasserschutz weitergehen?

Der Klimawandel bringt mehr Regen, kleine Flüsse treten über die Ufer und unkontrollierbare Wassermassen bedrohen auch im Allgäu immer wieder Städte und Gemeinden. Um das zu verhindern, hatten sich sieben Gemeinden im Unterallgäu zusammengetan, ein Großprojekt in Sachen Hochwasserschutz zu stemmen.

Mit Rückhaltebecken an entscheidenden Stellen wäre das gesamte Günztal vor einem sogenannten Jahrhunderthochwasser sicher gewesen. Doch der Erkheimer Gemeinderat sprach sich gegen den Hochwasserschutz aus.

Erkheims Bürgermeister Peter Wassermann erklärt das mit der klammen Finanzsituation seiner Gemeinde: „Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht. Wir haben alle Kosten verglichen und mehrere finanziellen Szenarien durchgerechnet“.

Noch viel mehr, als die Baukosten sind den Erkheimern die Unterhaltskosten ein Dorn im Auge, die für 100 Jahre auf die Gemeinden zugekommen wären. Erkheim befürchtet dadurch notwendige Sanierungen im Ort nicht mehr durchführen zu können. Die Bürgermeister der übrigen sechs Gemeinden sind jetzt sauer.

Bürgerentscheid erhitzt die Gemüter

Nicht nur, weil das ganze Projekt durch Erkheims Absage gescheitert ist, auch nicht nur weil die Gelder des Freistaates jetzt wahrscheinlich anderweitig eingesetzt werden, sondern die Art und Weise, des Erkheimer „Nein“ erhitzt die Gemüter. Denn zusätzlich hat Erkheims Gemeinderat seinen Beschluss mit einem Bürgerentscheid abgesichert.

Helmut Weis, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Kempten äußerte sich in der Allgäuer Zeitung entsetzt und nannte es: „feige, sich so aus der Verantwortung zu ziehen“. Auch Ottobeurens Bürgermeister Bernd Schäfer sieht das so: „Hier geht es um Verantwortung, die auf die Bürger abgewälzt wurde, dafür ist ein Bürgerentscheid nicht da“.

Schäfer bedauert, dass durch Erkheims Ausstieg die Chance auf einen finanzierbaren Hochwasserschutz vertan wurde. „Durch dieses unüberlegte Handeln stehen jetzt sechs Gemeinden ratlos da“.

Erkheim und Ottobeuren besonders gefährdet

Gerade Erkheim hätte viel vom geplanten Hochwasserschutzprojekt profitiert, denn die Günz fließt direkt durch den Ort. Genau wie in Ottobeuren. Für Schäfers Gemeinde hat das Wasserwirtschaftsamt einen möglichen Schaden von 32 Millionen Euro errechnet.

Nach diesem Schadensszenario hätte sich die Investition in den Hochwasserschutz bereits nach einem Jahrhunderthochwasser rentiert. Die übrigen sechs Gemeinden wollen nicht aufgeben und notfalls auch ohne Erkheim eine Lösung finden.

Für das Wasserwirtschaftsamt ist die Sache allerdings erledigt und die Gelder vom Freistaat sind weg. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wirklich ein Jahrhunderthochwasser im Unterallgäu braucht, um das Thema wieder auf die Tagesordnung der Gemeinden zu bringen.
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Artikelinfos
AutorBoris Weltermann
Veröffentlichung27.01.2012
Aktualisierung05.08.2013 12:35
Ort Ottobeuren/Erkheim
Schlagwörtergünztal, schutz, bürgerentscheid, gemeinderat, wochenendreportage
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