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07.04.2006 · Allgäu

Wortspielereien als Kult

Fredl Fesl im Modeon gefeiert - Skurrile Ideen, die immer für einen Lacher gut sind

Von Elisabeth Klein Marktoberdorf - „Is scho narrisch gell, bei dem Sauwetter“ musste Fredl Fesl beim Anblick des bis auf wenige Plätze vollen Modeons bemerken. Nicht einmal der erneute Wintereinbruch mit heftigem Schneefall konnte die Zuschauer davon abhalten, einen „Abend zum Schmunzeln, Lachen und Amüsieren“ mit dem Kult-Kabarettisten aus Häusleign im Landkreis Altötting zu verbringen. Nur der Artur, mit dem er ein Duett auf der Bühne telefonisch ausgemacht hatte, ist nicht gekommen. Dabei hatten sie über Fernsprecher so schön den gemeinsamen Jodler geprobt. Das wird ihm schön stinken, wenn er hört, wie gut er beim Publikum ankam. Dass er als Niederbayer immer wieder niederbayerische Heimatlieder singen muss, ist ja eigentlich ein Schmarrn, gibt er selbst zu. „Wenn eine Katze im Backofen Junge kriegt, sind’s doch auch keine Semmeln!“ Viel braucht der verschmitzte Komiker mit seinem valentinhaften, weisen Witz auf der Bühne nicht: ein Stuhl, ein Tisch und eine Halbe Bier genügen. Die Gitarre ist sowieso fast wie mit ihm verwachsen. Wie auch die Verwurzelung mit seiner Heimat, die immer wieder durchbricht.

Plaudereien mit dem Publikum Beim Kammerfensterln in der Menscherkammer etwa. Da diese Brauchtumspflege inzwischen wegen der aus dem Boden schießenden Hochhäuser fast ausgestorben ist, muss er die Technik erklären: Die Leiter sollte die passende Länge haben, und eine Anmeldung mittels Steinchen werfen oder Anklopfen ist angebracht. Dazu gibt’s musikalische Wortspielereien „Vor der Liesel ihrem Fenster steht ein Riesenneger im Nieselregen“. Seine Art von Humor ist niemals verletzend, was zweifelsohne ein Grund ist, warum ihn die Menschen einfach mögen. Dazu seine immer liebenswürdige Art, wie er plaudernd dem Zuschauer das Gefühl gibt, ihn direkt anzusprechen. Auch wenn er sich im Allgemeinen bewusst von politischen und sozialkritischen Themen fernhält, so ist ein kurzer Seitenhieb auf die Vogelgrippe beim Vogellied (aus dem Zyklus der wissenschaftlichen Lieder) doch erlaubt. „Die Welt hat an Vogel“ stellt er darin fest, und das nicht erst seit der Geflügelpest. Auch wenn diese Gefahr noch nicht gebannt ist, so hat er als ehemaliger Gebirgsjäger eine andere unverrückbar festgehalten.

Für Dauergekicher gut Das Karwendelgebirge wurde von ihm erfolgreich an die österreichische Grenze gejagt. Seine Wortspielereien sind Kult, die skurrilen Ideen immer für einen Lacher oder auch für so manches Dauergekicher gut. Auch wenn das Publikum zunächst nicht immer gleich versteht, wie beim Dialog eines Mähers mit einem dahinspazierenden Pater: „Mo mah! (Mann mähe!)“, indem der Mäher entgegnet „Pata mah du!“ (Pater mäh du).

Hintersinnige Texte Viele Berufe übte der 58-Jährige im Laufe seines Lebens aus: Kunstschmied, Kürschner, Sperrmüllsammler und Bierfahrer. Aber nie war er Metzger, auch wenn er sich mit Wurst gut auskennt. „An der Verwesung verhinderte Leichenteile, abgefüllt in Verdauungskanäle.“Seit 1990 leidet Fredl Fesl an Parkinson, weshalb er in geringerem Maße als früher öffentlich auftritt. Doch mit seinen bayerischen und „melankomischen“ Liedern und seinem unnachahmlichen Charme kann er dank der hintersinnigen Texte noch immer ganze Säle füllen, auch wenn draußen gerade ein Schneesturm tobt. Als Zugabe gab’s einen Klassiker zu hören, der seine Fans noch immer zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann: den Königsjodler.

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Artikelinfos
Veröffentlichung07.04.2006
Aktualisierung03.09.2007 10:00
OrtAllgäu
Schlagwörter
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