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19.10.2005 · Allgäu

Winterzeit für die Igel beginnt erst bei Dauerfrost

Tipps für den richtigen Umgang mit den Stacheltieren

Beckstetten (agi). - „Viele Leute sind enttäuscht, wenn wir die gebrachten Igel nicht annehmen“, weiß Tierheim-Mitarbeiterin Daniela Langhammer. Doch um diese Jahreszeit sind die meisten Stacheltiere noch dabei, sich Statur und somit Winterfestigkeit anzufuttern. „Sie jetzt schon aufzusammeln ist zu früh“, warnt Tierheimleiter Stephan Bachschmid. Handelt es sich später wirklich um „Überwinterungskandidaten“, ist auch das Tierheim der falsche Ansprechpartner. Denn: Igel sind Wildtiere. Der Umgang mit ihnen unterliegt somit dem Jagdgesetz.„Erst bei einer Woche Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke beginnt die Winterzeit“, erklärt Langhammer. Denn erst dann finden die Tiere keine Nahrung mehr. Ist dann ein Igel tagsüber auf Tour, torkelt er dabei oder, als ganz besonderes Alarmsignal, rollt er sich bei Berührung nicht mehr zusammen, dann ist er eindeutig krank und gehört in menschliche Obhut. Zu klein für den Winter und damit ebenfalls pflegebedürftig ist ein Igel um diese Frostzeit erst mit „deutlich unter 500 Gramm“. Noch sind die nachtaktiven Insektenfresser dabei, sich ihren nötigen Winterspeck anzufressen. Auch auf den subjektiv ersten Blick zu kleine Exemplare „legen noch kräftig zu“, weiß Bachschmid. Dabei sollten sie auch nicht gestört werden, sondern vielmehr unterstützt. „Wir haben da für Interessierte Merkblätter mit nützlichen Futter- und Schutztipps parat.“ Sogar Bauanleitungen für Freiluft-Eigenheime für die grauen Stacheltiere gibt es.

Verfasser dieser Fachlektüre ist die Igelstation Memmingerberg. „Das ist ein Fall für Wildtierexperten“, erklärt Bachschmid. Denn zu denen gehören Igel vom Gesetz her. Dementsprechend geregelt sind auch die Statuten für den Umgang mit ihnen. „Sie einfach aufzusammeln und mitzunehmen entspricht dem Tatbestand des Wilddiebstahls“, warnt der Tierheimchef. So nimmt sich auch die Fachstation in Memmingen nur verletzter, kranker, verwaister und zu kleiner Tiere an. Wie aufwändig die Pflege dieser Tiere ist und wie groß das dafür nötige Fachwissen sein muss, weiß Bachschmid nur zu gut. „Das ist auch nicht das Standardgebiet eines normalen Tierarztes.“ Deswegen arbeiten die Experten aus Memmingen eigens mit der tierärztlichen Hochschule Hannover zusammen. Schon die Aufnahme der Igel erfordert viele Sonder-Auflagen. Allein durch die vielen Parasiten, die Insektenfresser meist mit sich bringen, müssen sie in separaten Behältern untergebracht werden - pfleglich getrennt von anderen Artgenossen oder gar anderen tierischen Mitbewohnern. Alle Auflagen werden regelmäßig durch das Ordnungsamt überprüft.„Das können und dürfen wir hier im Tierheim gar nicht leisten“, erklären Bachschmid und Langhammer. So beschränken sie sich auf nützliche Ratschläge für die Unterstützung: Laubhaufen im Garten als Unterschlupfmöglichkeit liegen lassen. Nächtliche Futtermöglichkeiten mit handelsüblichem Igelfutter, Katzen- oder Hundenassfutter, als Leckerbissen angerührt mit einem Ei, einem Stück Banane oder Birne. Nur auf keine Fall Milch. „Das vertragen sie nicht, bekommen Durchfall und trocknen elendig aus.“i Im Akutfall oder für intensivere Auskünfte verweisen auch die Beckstettener Tierschützer an die Igel-Hotline der Experten um Edda Zangmeister von der Igelstation Memmingerberg unter Telefon (0 83 31) 49 43 18 oder in dringenden Notfällen unter 0170/4836252.

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Artikelinfos
Veröffentlichung19.10.2005
Aktualisierung01.09.2007 14:22
OrtAllgäu
Schlagwörter
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