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27.10.2011 · Sulzberg

Verteidigungsreden für den Euro in Sulzberg

Drei Redner, eine Meinung: Ohne gemeinsame Währung ginge es Europa schlechter

Podiumsdiskussion · Die gut 250 Besucher im Saal des Gasthofs Hirsch schien der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel überzeugt zu haben: "Schwätzen Sie in der Sendung bei Beckmann so, wie sie hier uns beschwätzt haben", forderte ein Redner den "Vater des Euros" auf - und erntete fröhlichen Beifall.


Das Thema der Talkrunde im Fernsehen am nächsten Montag und der Podiumsdiskussion am Dienstag in Sulzberg: der Euro und die Finanzkrise. Ist der Euro schuld an der Finanzkrise? Oder konnte die Einführung der gemeinsamen Währung die Finanzkrise auch nicht verhindern?

Die Antwort Waigels auf diese Fragen: Es handle sich nicht um eine Krise der Währung, sondern einzelner Länder. Der Euro sei heute um 21 Cent mehr wert als die Deutsche Mark bei ihrem Abschied und spiele die zweitwichtigste Rolle in der Welt nach dem Dollar. Gäbe es nach wie vor 30 verschiedene europäische Währungen, würde Europa seiner Meinung nach in der Welt nicht „so gut da stehen wie jetzt“.

Die anderen Gesprächspartner auf dem Podium, Alfons Hörmann, Geschäftsleiter der Hörmann Gruppe und Präsident des Deutschen Skiverbands, und Karl Uffinger, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Commerzbank in Augsburg, widersprachen ihm nicht.

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Verteidigungsreden für den Euro
Bild: ralf lienert
Unter der Moderation des CSU-Kreisvorsitzenden Joachim Konrad meinte Hörmann, dass Wirtschaftskrisen sogar produktiv sein könnten, wenn man ihnen den Beigeschmack der Katastrophe nehme. Noch nie sei die deutsche Wirtschaft besser positioniert gewesen als heute.

Karl Uffinger warb für Aufklärung und Dialog und führte die Demonstrationen gegen den Euro-Rettungsschirm darauf zurück, dass das Geschehen an den Finanzmärkten für die meisten Menschen nicht mehr nachvollziehbar seien: „Ich habe den Eindruck, dass da alles, was falsch gelaufen ist, brodelt und nun raus muss.“

Theo Waigel verteidigte Bürgschaften der EU für Mitgliedsländer, auch wenn er die Überzeugung vertrat, dass „Griechenland nie in den Währungsverbund hätte aufgenommen werden dürfen“. Jetzt aber sei der blinde Passagier quasi an Bord und die Frage stelle sich, ob man ihn vom Boot werfen soll oder ihm besser eine Schwimmweste gibt. „Wir können nicht zehn Millionen Menschen dem Chaos eines Bürgerkriegs überlassen, sondern müssen gegen ganz harte Auflagen Hilfe zur Selbsthilfe geben“, forderte der frühere Finanzminister. Ähnliche Unterstützung müsse im Notfall auch Italien gegeben werden – „aber nur unter einem anderen Ministerpräsidenten.“

Der Euro habe wesentlich dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft heute „in bärenstarker Verfassung ist“, meinte Alfons Hörmann und führte eine niedrige Erhöhung der Lohnstückkosten um vier bis fünf Prozent in den letzten zehn Jahren auch auf moderate Tarifabschlüsse zurück.

Auf die Frage, wie Sparer ihr Geld am besten anlegen sollten, riet Karl Uffinger zu langfristigen Anlagen und breiter Streuung von Aktien.

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Artikelinfos
Autorell
Veröffentlichung27.10.2011
Aktualisierung25.10.2013 15:23
Ort Sulzberg
Schlagwörtereuro, meinung, europa, finanzminister
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