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14.09.2011 · Kaufbeuren

Roman Eberle baut auf seinem Biolandhof 30 verschiedene Gemüsesorten an

«Leben und leben lassen»

Wochenmarkt · Seit Jahrhunderten gibt es den Kaufbeurer Wochenmarkt. Er findet in der Regel jeden Donnerstag in der Kaiser-Max-Straße statt. Ferner wird samstags der Wochenmarkt in Neugablonz veranstaltet. Beide sind ausgesprochen beliebt. Wir haben die Händler daheim besucht - und stellen sie in dieser Serie vor. Im achten Teil geht es um den Biolandhof von Roman Eberle.

«Leben und leben lassen»
Bild: schoettl

Altusried/Kaufbeuren So stellt sich manch Fremder wohl das Allgäu vor. So malerisch wie hier oben, auf einer Anhöhe über dem Illertal im Weiler Fronhofen, etwa auf halbem Weg zwischen Wiggensbach und Altusried. Hier die saftig grünen Wiesen und Felder mitten in der hügeligen Landschaft, dort das weidende Braunvieh, die Weite und der klare Blick auf die Berge. Roman Eberle (53) hat hier seinen Biolandhof und direkt hinter dem Haus auf knapp vier Hektar Gemüse so weit das Auge reicht.

Schon seit 1983 hat sich Eberle der Biolandwirtschaft verschrieben. Elf Jahre lang widmete er sich zunächst der Milchviehhaltung, dann gab er den Stall im Jahr 1994 auf. Und diese Entscheidung, sagt er heute, habe er seitdem nie bereut. Getreu dem Motto «Leben und leben lassen» bewirtschaftet er inzwischen eine Gesamtfläche von zwölf Hektar, auf denen 30 verschiedene Gemüsearten angebaut werden.

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«Leben und leben lassen»
Bild: stephan schã¶ttl
«Alles, was im Allgäu wächst und gedeiht», sagt Eberle. Sprich: Wurzelgemüse wie etwa rote Rüben, Pastinaken, dazu Lauch, Zwiebeln, Kürbisse, Mangold, Weiß- und Blaukraut, Wirsing, China- und Rosenkohl, Zuckermais und zwölf Salatsorten. Der Kopfsalat, meint er, sei nach wie vor der Beste. Sein Verkaufsschlager hingegen sind Karotten. Fast 0,8 Hektar der gesamten Anbaufläche nehmen sie in Anspruch, aus einer circa 100 Meter langen Reihe werden am Ende bis zu 700 Kilogramm geerntet.

Bei seiner täglichen Arbeit achtet der 53-Jährige strikt auf die Vorgaben des ökologischen Landbaus. Die wichtigste Regel: kein synthetischer Dünger. «Das ist für mich überhaupt kein Thema. Ich will gar nicht mit einem solchen Zeug hantieren», meint er. Lediglich organischer Stickstoff sei erlaubt sowie natürliche Mittel zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung.

Etwa Netze, die über das Gemüse gespannt werden. «Das macht Bio eben auch ein bisschen teurer, weil viel Handarbeit dahintersteckt. Aber viele Schädlinge kennen wir hier oben nur vom Hörensagen», erklärt der Landwirt weiter. Nach drei Jahren Nutzung bekommen die Anbauflächen erst einmal ein bis zwei Jahre Pause mittels Gründüngung. Währenddessen werden quasi im Austausch andere Felder beackert.

Geerntet wird bei jedem Wetter, von Anfang Mai, wenn die ersten Salate reif sind, bis in den November hinein. Fünf bis zehn Mitarbeiter hat er im Gartenbau und auf den Märkten angestellt, je nach Saison. Schon frühmorgens geht es raus auf die Felder, mittags wird das Gemüse auf dem Hof gewaschen und aufbereitet. Manche Sorten, wie etwa gelbe Rüben, werden in einem großen Kühllager aufbewahrt.

«Wir kommen eigentlich das ganze Jahr mit eigenen Sachen durch», erklärt Eberle. Da er eng mit dem befreundeten Betrieb von Walter Hiedl zusammenarbeitet, gehören zum Angebot auch Gewächshauskulturen wie Gurken, Tomaten, Paprika und Auberginen. Auch alle seine Jungpflanzen, erklärt er, werden den Winter über bei Hiedl gezogen, bevor sie dann Anfang März ausgebracht werden. Und woher kommt der Zucchini im Dezember? «Der stammt aus Italien oder Spanien, nur aus ökologischem Landbau und mit Zertifizierung. Aber das eigene Gemüse ist noch immer das Beste», erklärt der 53-Jährige.

Vermarktet werden die Erzeugnisse auf den Wochenmärkten in Kaufbeuren, Marktoberdorf und Kempten, dazu auf dem Biomarkt in Irsee. Eberle versorgt außerdem in kleinen Mengen auch Kunden aus Einzelhandel und Gastronomie.

Hinter dem Beruf steckt bei dem Oberallgäuer letztlich auch ein großes Stück der eigenen Lebensart. Jeden Tag komme auch bei ihm zu Hause Gemüse in den Kochtopf. Selbstverständlich das eigene, unbehandelte und natürliche. Eberle: «Was nutzt mir das gesündeste Essen, wenn es nicht schmeckt.»


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Artikelinfos
AutorStephan Schöttl
Veröffentlichung14.09.2011
Aktualisierung16.04.2013 12:50
Ort Kaufbeuren
Schlagwörterleben, wochenmarkt, kräuter
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