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31.03.2012 · Maierhöfen

Monika Halder erläutert, warum sich der Frauenbund Maierhöfen ein Jahr der Gestaltung eines Hungertuchs widmet

Interview · Etwa 30 Frauen aus Maierhöfen haben sich ein außergewöhnliches Projekt vorgenommen: Sie wollen über ein Jahr hinweg ein Hungertuch für ihre Pfarrgemeinde St. Gebhard gestalten. Mit dieser Aktion feiert der Frauenbund Maierhöfen sein 20-jähriges Bestehen. Monika Halder, seit acht Jahren Vorsitzende des Frauenbunds, erläutert im Gespräch mit Ingrid Grohe, dass die Maierhöfenerinnen mit ihrem Vorhaben nicht nur die Gemeinde beschenken wollen, sondern auch sich selbst Raum geben für Begegnung und intensive Auseinandersetzung mit religiösen Fragen.

„Jede Frau legt ihr Innerstes in das Bild hinein“
„Jede Frau legt ihr Innerstes in das Bild hinein“Bild: matthias becker

Frau Halder, mit Ihrem Projekt wollen Sie das 20-jährige Bestehen des Frauenbunds begehen. Üblicherweise organisieren Vereine oder Gruppen zu einem solchen Anlass ein Fest. Dagegen hört sich „Hungertuch“ nicht unbedingt nach feiern an.

Monika Halder: Einen Jubiläumsgottesdienst feiern wir am 1. Mai in der Pfarrkirche Maierhöfen. Aber wir möchten uns über das ganze Jahr verteilt immer wieder treffen und gemeinsam etwas gestalten. Statt eines einzigen Fests wird es viele Begegnungen geben. Es wir ein Ereignis geben, das man danach auch sehen kann – und in dem von jeder Frau ein Beitrag enthalten ist.

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In den Kirchen wird das Hungertuch oder Fastentuch während der Fastenzeit dazu verwendet, den Gekreuzigten bis Karfreitag zu verhüllen. Teilweise wurde und wird mit einem Hungertuch sogar der gesamte Altarraum abgehängt. Für welche liturgischen Zwecke ist das Maierhöfener Hungertuch gedacht?

Halder: Es soll nächstes Jahr am Aschermittwoch aufgehängt werden und bis Karsamstag bleiben. In dem Hungertuch sind sechs Teile über das Leben in Maierhöfen enthalten. Sie beziehen sich auf die Auferstehung und auf das Licht Jesu. Diese sechs Themen, die wir herausarbeiten werden – in jedem Hungertuch gibt es sechs oder acht Teile –, werden von Pfarrer Badura an jedem Fastensonntag in seiner Predigt erklärt.

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Das erste Treffen zum Projekt war bereits. Haben die Frauen da die Inhalte der Teile festgelegt?

Halder: Ja, bei unserem Treffen konnte jede Frau frei ihre Gedanken niederschreiben. Da ist so viel zusammengekommen – eine ganze Fülle an Ideen und Möglichkeiten. Zusammen mit unserer geistlichen Begleiterin Brigitte Kreiter haben wir uns mit folgenden Themen beschäftigt: „Gottes Spuren entdecken“, Frieden, Vertrauen, Sehnsucht“, „Ökumene – gemeinsam Kirche gestalten“, „Versöhnung, Selbstliebe und Nächstenliebe“, „Beruf, Berufung und Talente“, „Der Liebe Gottes Hand und Fuß geben“. Wir überschreiben unser Hungertuch mit dem Titel „Miteinander leben – gemeinsam glauben“.

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Wie geht es weiter?

Halder: Während es bei unserem ersten Treffen darum ging, sich selbst mit den Themen auseinander zu setzen, wollen wir beim nächsten Mal überlegen, wie wir diese Ideen bildlich ausdrücken können. Es gibt über das Jahr verteilt vier Treffen. Außerdem bilden wir sechs Gruppen – zu jedem Thema eine –, die untereinander zusätzliche Termine vereinbaren.

Mit welchen Materialien setzen sie die Ideen um?

Halder: Wir malen zunächst auf Stoff, und dann kann man mit Nähen und verschiedenen anderen Techniken einzelne Dinge hervorheben. Das Tuch wird etwa dreieinhalb auf drei Meter groß.

Geht es den Maierhöfener Frauen mehr um das kreative Tun oder um die Auseinandersetzung mit religiösen Anliegen?

Halder: Es ist ein Zusammenwirken von beidem, und es geht dabei auch immer auch um Meditation. Jede Frau bringt ja ihr Innerstes mit und legt es in das Bild hinein. Es wird Zeiten der Arbeit, Zeiten des Lachens und der Stille geben. Das Verhüllen weckt die Sehnsucht nach Leben, lässt uns den Hunger nach dem Sinn des Lebens spüren.

Wie kamen Sie darauf, ein Hungertuch zu gestalten?

Halder: Schon vor zwei Jahren haben wir uns darüber unterhalten, wie wir das 20-Jährige begehen könnten. Claudia Kuczewski hat die Idee des Hungertuchs vorgebracht. Das Schöne ist, dass alle Frauen ihre Fähigkeiten einbringen können: Junge, Alte und auch solche, die meinen, nicht kreativ begabt zu sein.

 

In der Aureliuskirche in Lindenberg sind derzeit Fasten- und Hungertuch zu sehen. Mit Stoffen in Violett – der liturgischen Farbe der Fastenzeit – sind Kreuze und Seitenaltäre verhüllt. Das große Misereor-Hungertuch verbirgt den Hochaltar.

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung31.03.2012
Aktualisierung17.04.2013 08:59
Ort Maierhöfen
Schlagwörterfrauenbund, jahr, gestaltung, interview
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