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26.08.2011 · Emmenhausen

Maler und Bildhauer Werner Zizlsperger über Kunst und die Allgäuer

Experimentalist und Kunst-Messie

Porträt · Werner Zizlsperger fühlt sich wohl im Allgäu, obwohl ihm so manche regionale Eigenarten nicht ganz geheuer sind. Der gebürtige Münchner lebt seit 18 Jahren in im Waaler Ortsteil Emmenhausen und hat gelernt, als Oberbayer mit dem «Typ Allgäuer» umzugehen.

Malerportrait - Zizlsperger
Malerportrait - ZizlspergerBild: Katharina Dodel
Bei einer Kunstausstellung in Kaufbeuren habe er vor vielen Jahren versucht, charakteristische, schwäbische Eigenschaften auf die Schippe zu nehmen, indem er einige Klischees geschickt in Skulpturen verwandelte. «Ein bisschen Selbstironie hätte ja schon gereicht», sagt Zizlsperger. Doch einige der Besucher fanden seine Kunstwerke nicht zum Lachen. Eines jedoch erreichten sie: Diese Ausstellung wird der Künstler wohl nie vergessen. «Manchmal muss man eben einiges einstecken, um seine Ideen voranzubringen», erzählt Zizlsperger.

Prägendste Begegnung

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Geboren wurde er am 1. April 1958 in Gröbenzell bei München. Seine Begeisterung für Kunst begann schon früh. Als Kind betrachtete er immer gerne Bilder genauer als andere. Auch sein Großvater habe gemalt und ihm quasi die Kunst in die Wiege gelegt. Mit 17 Jahren hatte er aber wohl die prägendste Begegnung: Der Vater seiner damaligen Freundin war der bekannte Maler und Objektkünstler Arto Fertl. In dessen Atelier wartete er auf seine Freundin. Um sich die Zeit zu vertreiben, nahm Zizlsperger Block und Stift zur Hand und malte etwas. «Einen Apfel, um genau zu sein. Den warf ich aber dann zusammengeknüllt in den Müll», schildert er. Ein paar Tage später kam Fertl auf den damals 17-Jährigen zu und bot ihm eine Atelierausbildung an.

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«Ich war fasziniert davon, Natur wiederzugeben. Doch im Laufe der Zeit wurde aus Natur abmalen, Natur interpretieren und eigene Intentionen malen», so der Künstler. Der Emmenhausener habe durch Fertl gelernt, «die Faszination des Morbiden zu erkennen und zu schätzen». Er habe beispielsweise mit Knochen oder Kuhfladen gearbeitet.

Weitere Ausbildungsjahre verbrachte Zizlsperger bei Bildhauer Ferdinand Auerhammer. Besonders prägend sei auch der intensive Kontakt zu Wilhelm Wartmann, dem ersten Meisterschüler Picassos, gewesen. «Als Ausbildungsabschnitte würde ich diese Zeiten bei diesen namhaften Malern nicht bezeichnen», sagt der 53-Jährige, «man lernt als Künstler immer. Auch heute noch. Bei Ausstellungen zum Beispiel.»

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Zizlsperger, der auch die Zeichnungen im Eingangsbereich des neuen Gemeindehauses in Waal anfertigte, ist der Meinung, Kunst dürfe nicht nur aus Können bestehen. Auch «Experimente und der Mut zum Experiment» gehörten dazu. «Manche Leute denken oft viel zu oberflächlich. Es geht doch eben nicht um das Können, sondern um die Interpretation, um das, was hinter dem Bild oder der Skulptur steckt», beschreibt Zizlsperger, der sich selbst auch als Experimentalist bezeichnen würde.

Ein Experiment ist für ihn auch der Umbau des alten Pfarrhofs in Emmenhausen. Im antiken Stil richtet er für seine Familie und sich das historische Gebäude her. Dabei kombiniert er Antiquitäten mit Modernem.

«Freunde bezeichnen mich als Kunst-Messie. Ich sammle Gegenstände, aber glaube, das haben experimentelle Künstler so an sich», sagt er. Tatsächlich befinden sich im Haus viele antike Schränke und Kunstschätze. «Auch unsere zwei Kinder müssen einen alten Schrank im Zimmer haben», ergänzt seine Frau Alexandra.

Der Umbau dauert bereits über zwei Jahre, aber das macht dem Künstler nichts aus, im Gegenteil: «Man muss sich den Druck nehmen, etwas schnell fertigzubringen. Das gilt auch für die Allgemeinheit. Nur dann kann man zufrieden auf ein Gesamtkunstwerk blicken.»

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Autorkat
Veröffentlichung26.08.2011
Aktualisierung16.04.2013 12:47
Ort Emmenhausen
Schlagwörtermaler, leute, ausstellung
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