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03.12.2008 · Allgäu

Letzte Ehre für einen «gütigen Menschen»

Beerdigung Hunderte nehmen in Waltenhofen Abschied von Ehrendekan Karl Nold - Bischof Mixa hält Requiem

Waltenhofen | sir | So viele Priester und Diakone wie gestern weilten selten in der Pfarrkirche St. Martin in Waltenhofen: 38 waren in ihren festlichen lila Messgewändern gekommen, um Karl Nold die letzte Ehre zu erweisen. Das Requiem für die Beerdigung des Ehrendekans und Waltenhofener Ehrenbürgers hielt Bischof Dr. Walter Mixa. Die Kirchenchöre Waltenhofen und Memhölz umrahmten die Messe in der mit rund 500 Besuchern vollen Kirche.

Letzte Ehre für einen «gütigen Menschen»
Letzte Ehre für einen «gütigen Menschen»Bild: ralf lienert

Ein Bus aus Bergatreute

Bereits um 9 Uhr kam ein Bus aus Nolds Heimat Bergatreute (Landkreis Ravensburg) mit langjährigen Freunden und Bekannten des Verstorbenen. Um 10 Uhr begann schließlich das Requiem: Knapp 20 Fahnenabordnungen von Waltenhofener Vereinen marschierten in die Pfarrkirche ein, gefolgt von acht Ministranten, 38 Pfarrern und Bischof Dr. Walter Mixa.

Der Geistliche erinnerte an den gemeinsam begangenen Gottesdienst zu Ehren des 105. Geburtstags von Karl Nold vor einem drei viertel Jahr, ebenfalls in der Pfarrkirche St. Martin. Karl Nold sei ein Priester gewesen, der mit sich selbst sehr diszipliniert umgegangen sei, eine tiefe, innere Christusliebe verspürt habe. Der Bischof streifte Lebensstationen des Verstorbenen: Die Geburt am 28.

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Januar 1903, die Priesterweihe 1929, die Aufgabe als Kaplan in Augsburg (St. Josef) von 1929 bis 1934, die Pfarrstelle in Illdorf (34 bis 46) und die Tätigkeit als Pfarrer in Waltenhofen (46 bis 73). 17 Jahre wirkte Karl Nold auch als Dekan (ab 1956), später wurde er zum Ehrendekan berufen.

Nold sei nach Waltenhofen gekommen in einer Zeit, «in der viele Millionen Menschen als Folge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat in den östlichen Gebieten verloren haben». An über 900 Heimatvertriebenen 1947 in Waltenhofen und Hegge erinnerte in einem Nachruf auch Waltenhofens Pfarrer Roland Buchenberg. Karl Nold selbst habe Flüchtlinge im Pfarrhof aufgenommen. Seine eigentliche Aufgabe aber sei es zunächst gewesen, in Hegge eine Kirche zu bauen. Dazu habe er Ende der 40er Jahre Arbeitslose angeheuert, die für Kost und Logis arbeiteten.

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«In der damaligen Zeit ein äußerst faires Angebot, das gerne angenommen wurde,» sagte der Pfarrer. Material aus dem Steinbruch Leuten sei für den Kirchenbau in Hegge verwendet worden. 1951 wurde die Kirche «Königin der Apostel» schließlich geweiht.

Als Schuldekan sei Karl Nold streng gewesen und manch einer habe «seine Handschrift zu spüren bekommen». In den letzten Jahren sei er jedoch milde geworden. Er habe Pfarrer Buchenberg wissen lassen, dass er heute als Pfarrer «die Liebe Gottes mehr in den Blickpunkt rücken würde». 2004 feierte Karl Nold das Kronjuwelen-Jubiläum (75 Jahre Priester). Nach einem Sturz vor wenigen Wochen habe er sich nicht mehr erholt. Karl Nold verstarb vergangenen Donnerstag.

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Als «warmherzigen, gütigen Menschen» erinnert sich Bürgermeister Eckhard Harscher an den Seelsorger. Die Gemeinde Waltenhofen habe ihrem Ehrenbürger (seit 1989) viel zu verdanken.

Einen «herzlichen Kontakt» zu den Vereinen bescheinigte Willibald Herrmann dem Verstorbenen. Nold sei langjähriges Mitglied der Krieger- und Soldatenkameradschaft Waltenhofen/Hegge gewesen, habe über 60 Jahre der CSU-Ortsgruppe Waltenhofen angehört und die Gründung des Frauenbunds Waltenhofen angeregt. Herrmann: «Er hatte immer ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Gemeinschaft.»

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Artikelinfos
Veröffentlichung03.12.2008
Aktualisierung06.07.2011 12:02
OrtAllgäu
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