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17.08.2011 · Gestratz

Lederhosen und afrikanische Musik bei internationaler Begegnung in Gestratz

Kenianische Jugendliche verbringen eine Woche bei Familien in Gestratz

Erfahrungsaustausch · Für Hans-Peter Müller war es ein Stück Brennholz. Für Donmas und Reuben hingegen war es ein Stück Baum. «Und das verbrennt ihr einfach?», fragten die beiden jungen Männer aus Kenia ihren Gastgeber aus Gestratz erstaunt. «Wenn du einen Baum fällst, musst du drei neue Bäume pflanzen», sei eine Weisheit in ihrem Heimatland. Denn: «Holz ist etwas Wertvolles».

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UntitledBild: Olaf Winkler
Den Umgang damit in Deutschland nehmen die beiden Gäste als eine besondere Erfahrung wieder mit in ihre Heimat - und haben ihre Gastgeber zugleich zum Nachdenken gebracht.

Ein solcher Erfahrungsaustausch ist denn auch das Ziel der Begegnung zwischen Landjugend-Gruppen aus den deutschen Diözesen Augsburg und Mainz und dem kenianischen Eldoret. Seit zehn Jahren gibt es regelmäßige Besuche - abwechselnd in Kenia und Deutschland.

Noch bis zum Donnerstag dieser Woche sind acht afrikanische Landjugend-Mitglieder zwischen 21 und 26 Jahren in Familien in Gestratz zu Gast.

Möglich machen das Gelder aus verschiedenen deutschen Fördertöpfen und Spenden. Und Familien wie die Müllers aus Gestratz. Sie waren spontan bereit, zwei Kenianer für eine Woche aufzunehmen, als Sohn Hans-Peter vor drei Wochen mit dem Anliegen auf sie zukam. Für ihn ist das «eine spannende Erfahrung», denn selbst war der 21-Jährige noch nie in Afrika.

Die Verständigung mit Donmas und Reuben ist problemlos: «Wir sprechen alle ganz gut Englisch».

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Und so begann die gemeinsame Woche schon kurz nach dem Kennenlernen mit einem Gebet. «Sehr herzlich und höflich» erlebt Mutter Josefine Müller ihre Gäste. «Sie nennen mich Mum», freut sie sich. Die fröhliche, kenianische Musik gefällt den beiden Söhnen der Familie. Sehr aufgeschlossen seien ihre Gäste für alles, was den Allgäuer Lebensstil ausmache.

Das schließt das Essen ein - «und die Lederhose», so Hans-Peter. Die trugen beide Kenianer voller Freude. Doch meist ist längere Kleidung angesagt. Denn selbst die sommerlichen Temperaturen am Wochenende erschienen den Gästen als kühl.

Interesse an Landwirtschaft

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Großes Interesse an der hiesigen Landwirtschaft hat der 24-jährige Reuben mit ins Allgäu gebracht. Denn in Kenia bewirtschaftet er den Bauernhof seiner Eltern. Drei Hektar und zehn Kühe hat er zu versorgen, die täglich jeweils acht Liter Milch liefern. «Hier wird viel mehr mit Maschinen gearbeitet als bei uns», erzählt er. Den Mais erntet er noch mit der Hand. Und: «Gepflügt wird bei uns mit Ochsen».

Der 25-jährige Donmas ist überrascht von den großen Wohnungen und Häusern in Deutschland. «Für jeden Zweck gibt es hier einen eigenen Raum», hat er festgestellt. Auch das sei in Kenia ganz anders. Dort lebe eine Großfamilie meist in nur ein oder zwei Räumen. Ein wenig mit Sorge seien sie nach Deutschland gereist. Doch das Vorurteil, Deutsche seien unfreundlich, habe sich absolut nicht bestätigt.

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Immer wieder wird den Teilnehmern des Austausches klar: Die Unterschiede zwischen Deutschland und Kenia sind groß. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten: «Hier wie dort gibt es ein Stadt-/Land-Gefälle bei der Infrastruktur - wenn auch auf ganz unterschiedlichem Niveau», weiß Anna Maier, die Leiterin des Arbeitskreises für Internationales (AKI) in der Diözese Augsburg.

Deutsche und Kenianer haben auch etwas Verbindendes gefunden: In beiden Ländern suchen die jungen Menschen ihren Platz in der Kirche. «Das ist überall eine Herausforderung», so Lisa Eggert, die AKI-Sprecherin der Diözese Mainz.

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Artikelinfos
AutorOlaf Winkler
Veröffentlichung17.08.2011
Aktualisierung16.04.2013 12:43
Ort Gestratz
Schlagwörterjugendliche, kenia, austausch
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